Degussa-Kauf
Der Weg zum Börsengang der RAG ist frei

Die RAG – besser bekannt unter ihrem alten Namen Ruhrkohle AG – übernimmt ihre 50-Prozent-Tochter Degussa komplett. Nur so kann der einstige Bergbaukonzern selbst erfolgreich an die Börse gehen. Bald soll es soweit sein.

DÜSSELDORF. RAG-Chef Werner Müller hat es geschafft. Der RAG-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Eon-Chef Wulf Bernotat hat gestern Müllers Pläne abgesegnet, sämtliche nicht von der RAG gehaltenen Degussa-Aktien für insgesamt 3,4 Mrd. Euro zu kaufen. Müller will den von seinen Bergbaualtlasten befreiten Konzern im Frühjahr 2007 an die Börse bringen. Dafür braucht er die vollständige Kontrolle über Degussa, mit 11,2 Mrd. Euro Umsatz und 45 000 Mitarbeitern Deutschlands drittgrößtes Chemieunternehmen.

Die RAG-Sparten Stromerzeugung und Kraftswerksbau (Steag) sowie Immobilien sollen künftig für stabile Dividenden sorgen, die Spezialchemie (Degussa) für Wachstumsphantasie. Mit diesem Konzept will Müller die Anleger überzeugen. Der Erlös aus dem Börsengang der RAG von voraussichtlich fünf Mrd. Euro soll an die öffentliche Hand fließen, um die so genannten Ewigkosten des Bergbaus (Wasserhaltung) zu finanzieren. Im Gegenzug wird die RAG von diesen Risiken freigestellt.

Die vollständige Übernahme der Degussa erfolgt in zwei Schritten. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren hat, wird die RAG bereits im Januar 2006 den außenstehenden Degussa-Aktionären anbieten, ihre Aktien für 42 Euro je Aktie zu erwerben. Der Preis entspricht dem durchschnittlichen Degussa-Kurs in den vergangenen drei Monaten zuzüglich eines Aufschlags von 18 Prozent. Insgesamt wird die Abfindung der Minderheitsaktionäre die RAG 604 Mill. Euro kosten.

Finanziert werden soll diese Summe mit einem syndizierten Kredit über zwei Mrd. Euro, den die RAG im Sommer aufgenommen hat. Sieben Prozent der Aktien sind noch im Streubesitz. Wie ein Analyst sagte, sind fast ausschließlich Privatanleger noch bei Degussa engagiert. Außerdem übernimmt die RAG bis zum 1. Juli 2006 für knapp 2,8 Mrd. Euro die 43 Prozent, die der Düsseldorfer Energiekonzern Eon noch an Degussa hält. Das Land Nordrhein-Westfalen muss der Transaktion zustimmen. Sobald die RAG 95 Prozent von Degussa erworben hat, kann sie ein Squeeze-out-Verfahren einleiten. Damit wären die Voraussetzungen geschaffen, um Degussa von der Börse zu nehmen. "Eine gleichzeitige Notierung von Mutter und Tochter würde den Börsenstart der RAG erschweren ", sagte ein Kapitalmarktexperte.

Da die RAG mit 4,6 Mrd. Euro verschuldet ist, will Müller den größten Teil des Kaufpreises mit Unternehmensverkäufen finanzieren, heißt es in den Kreisen weiter. Ganz oben auf der Verkaufsliste steht die Bauchemiesparte von Degussa. Sie soll mindestens zwei Mrd. Euro einbringen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF führt bereits exklusive Verhandlungen. Die Transaktion könnte bis Ende Februar über die Bühne gehen, heißt es. Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht, der lange gegen eine Zerschlagung war, beugt sich offenbar der Konzernräson.

Trennen will sich die RAG auch von der Vertriebstochter Saar Ferngas. Der Energiekonzern RWE liebäugelt mit einer vollständigen Übernahme. Dem Vernehmen nach liegen die Preisvorstellungen der RAG bei 400 Mill. Euro. Ebenfalls bis Ostern 2006 soll der Verkauf der saarländischen Müllverbrennungstochter Sotec für 100 Mill. Euro gelingen.

Die Gewerkschaften unterstützten die Komplettübernahme von Degussa durch die RAG. „Durch die Integration in den RAG-Konzern hat auch die Degussa gute Zukunftsperspektiven“, sagte IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt. Zuletzt hatten die Arbeitnehmer gegen eine drohende Zerschlagung des drittgrößten deutschen Chemiekonzerns protestiert.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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