Degussa-Übernahme
RAG spricht mit BASF

Der Chemiekonzern BASF zeigt starkes Interesse an den Bauchemieaktivitäten der RAG-Tochter Degussa. Mit dem Verkaufserlös könnte die RAG die komplette Degussa-Übernahme finanzieren.

DÜSSELDORF. Für die Essener RAG ist die komplette Übernahme des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns Degussa unmittelbar vor der heutigen außerordentlichen Aufsichtsratsitzung der früheren Ruhrkohle in greifbare Nähe gerückt. Das notwendige Kapital könnte schon bald aus dem Verkauf der Bauchemie-Sparte der Degussa fließen: Der Chemiekonzern BASF hat am Freitag angekündigt, exklusiv über den Kauf der Sparte der RAG-Tochter zu verhandeln.

Erst am vergangenen Dienstag hatte der Degussa-Aufsichtsrat unter Vorsitz von RAG-Chef Werner Müller den Vorstand beauftragt, einen Verkauf der Bauchemie zu prüfen. Analysten schätzen, dass die Sparte rund zwei Mrd. Euro wert ist. Die RAG beabsichtigt, den Verkaufserlös zur Finanzierung der gut drei Mrd. Euro teuren Übernahme weiterer 43 Prozent an Degussa einzusetzen.

Müller will sich heute vom RAG-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Eon-Chef Wulf Bernotat ein Eckpunktepapier zum Kauf des 43-Prozent-Pakets absegnen lassen, das der Düsseldorfer Stromriese Eon an Degussa hält. Am Abend tagt dann der Eon-Aufsichtsrat, um den Degussa-Verkauf zu besiegeln. Eon muss das Degussa-Paket zunächst der RAG anbieten, die 2003 für 3,9 Mrd. Euro bereits 50,1 Prozent am drittgrößten deutschen Chemiekonzern von Eon übernommen hatte.

Müller will den von seinen Bergbaualtlasten befreiten Mischkonzern im Frühjahr 2007 an die Börse bringen. Dafür braucht er die vollständige Kontrolle über die Degussa. Sie soll das Wachstum bringen, die Bereiche Energie (Steag) und Immobilien eine stabile Dividende. Allerdings war lange unklar, wie die mit 4,6 Mrd. Euro verschuldete RAG die Degussa-Übernahme stemmen soll.

Bis zuletzt hatte Müller auch einen kompletten Verkauf der Degussa-Anteile nicht ausgeschlossen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen verhandelte Müller in den vergangenen Wochen mit dem US-Finanzinvestor Blackstone über den Verkauf von Degussa-Teilen. Der durch mehrere Fusionen entstandene Spezialchemiekonzern schafft es mit seinem zusammengewürfelten Portfolio nicht, seine Kapitalkosten zu verdienen. Degussas größte Schwachstelle ist derzeit die Sparte Fein- und Industriechemie mit 2,8 Mrd. Euro Umsatz. Wertberichtigungen von 830 Mill. Euro führen in diesem Jahr zu einem Konzernverlust von 450 Mill. Euro. 2004 erzielte Degussa noch fast eine Mrd. Euro Gewinn. Die Sparte soll vorerst im Konzern bleiben, das laufende Sanierungsprogramm wird jedoch verschärft.

Ralf Hermann, Arbeitnehmervertreter im Degussa-Aufsichtsrat, zeigte sich vom BASF-Angebot völlig überrascht: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist das für uns natürlich akzeptabel und auf jeden Fall besser als ein Finanzinvestor.“ Im Verbund mit BASF habe die Bauchemie eine Zukunft. „Als größter Anbieter bauchemischer Produkte ist Degussa ein weltweit bedeutender Partner der Baubranche“, begründete BASF-Vorstand Andreas Kreimeyer das Interesse.

Ein konkretes Angebot für den 1,8 Mrd. Euro Umsatz starken Bereich, der 2004 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 201 Mill. Euro erwirtschaftete, will BASF aber erst nach einer „vertieften Prüfung der Wirtschaftlichkeit“ abgeben. Mit der Übernahme erhielte BASF einen Zugang zu weiteren Industriekunden und Endverbrauchern.

BASF erschließt sich neue Kunden

Lukrativ

Der weltweite Markt für Bauchemikalien ist rund 13 Mrd. Euro groß. Er gilt aufgrund eines jährlichen Wachstums von vier Prozent und stabilen Margen als lukrativ.

Synergien

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF beliefert Bauchemiehersteller wie Degussa mit Vorprodukten. Mit dem Kauf könnte BASF Zugang zu Endverbrauchern erhalten.

Fremdkörper

Mit einer Umsatzrendite von 14,2 Prozent belegt die Bauchemie Platz drei der fünf Degussa-Sparten. Das Geschäft läuft, anders als die Spezialchemie, über den Fachhandel.

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