Delphi
UAW rüstet zum Klassenkampf

Ein „Sauhaufen“ sei am Werk beim insolventen Zulieferer Delphi, wettert die US-Gewerkschaft United Auto Workers und droht der maroden amerikanischen Autoindustrie einen Arbeitskampf an – sollten die Konzerne weitere Sparmaßnahmen einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer beschließen.

ebe NEW YORK. „Unsere Union streikt nicht gerne“, sagte der Präsident der US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), Ron Gettelfinger, auf einer Gewerkschaftstagung in Detroit: Wenn die Verhandlungen aber eine Einbahnstraße seien, dann werde die Gewerkschaft tun, was sie tun müsse. Mit Blick auf den insolventen US-Zulieferer Delphi wählte der Mann in dunklem Anzug und roter Krawatte Worte des Klassenkampfes: „Das ist ein Sauhaufen, der vor einem Trog voller Geld steht und nicht genug kriegen kann“, empörte sich Gettelfinger.

Delphi, mit einst 185 000 Mitarbeitern ein weltweit führender Autozulieferer, hatte 2005 nach einem Verlust von fast fünf Mrd. Dollar Konkurs angemeldet. Zwar wollen die drei Finanzinvestoren Appaloosa, Cerberus und Harbinger die frühere General-Motors-Tochter mit Investitionen von 3,4 Mrd. Dollar aus der Insolvenz führen. Sie haben aber zur Voraussetzung gemacht, dass sich Delphi zuvor mit der UAW einigt. Gettelfinger sagte, man habe seit Monaten nicht mehr mit Delphi verhandelt. „Wenn das Konkursgericht die Verträge mit der UAW für ungültig erklärt, werden wir die Firma stilllegen,“ rief der Gewerkschaftsboss den 1 500 Teilnehmern zu. Ein neuerliches Vertragsangebot hat UAW-Vize Cal Rapson gestern abgelehnt und als „Unverschämtheit“ gebrandmarkt.

Für die großen US-Autohersteller wäre ein Arbeitskampf das Schreckensszenario schlechthin. Marktführer General Motors hat in den vergangenen beiden Jahren 12,7 Mrd. Dollar Verlust eingefahren. Ebenfalls 12,7 Mrd. Dollar hat Ford allein 2006 verbrannt, und der Dritte im Bunde, Chrysler, steht nach einem neuerlichen Milliardenverlust auf der Verkaufsliste der deutschen Mutter Daimler. Vorstandschef Dieter Zetsche ließ durchblicken, dass die harte Linie der UAW bei der Entscheidung, Chrysler zum Verkauf anzubieten, eine maßgebliche Rolle gespielt habe.

Die Situation ist verfahren. In diesem Juli beginnen die Verhandlungen zwischen US-Autoindustrie und Gewerkschaft über einen neuen, vierjährigen Rahmenvertrag. Branchenexperten schreiben den Gesprächen eine Schlüsselrolle bei der Sanierung der US-Automobilindustrie zu. Sie entschieden „über die künftige Größe und Profitabilität der US-Autoindustrie“, betont Gerald Meyers, Management-Professor an der Universität Michigan. Die Hersteller haben bereits deutlich gemacht, dass sie weitere tiefe Einschnitte benötigen – vor allem bei den Personal- und Sozialkosten. Denn, so ihre Argumentation, sie seien trotz aller Entlassungs- und Sparrunden gegenüber Herstellern aus Japan und Europa noch immer nicht konkurrenzfähig.

UAW-Chef Gettelfinger indes steht massiv unter Druck, weil ihm die Mitglieder davonlaufen. In diesem Jahr dürfte die Zahl der Getreuen erstmals seit den 40er-Jahren unter die Marke von 500 000 rutschen. Es sei ein schwerer Fehler, die bisherigen Konzessionen der UAW als Kapitulation zu verstehen, warnte er die Arbeitgeber.

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