Dem Insignia sei Dank Zusatzschicht bei Opel in Rüsselsheim

Viele Menschen bereiten sich derzeit voll freudiger Erwartung auf den Weihnachtsurlaub vor, manch einer hat heute seinen letzten Arbeitstag im Jahr 2008. Die meisten Beschäftigten der Automobilindustrie dagegen sind wegen der Branchenkrise schon länger in ausgeweiteten Ferien, als ihnen lieb ist. Doch im Opel-Werk Rüsselsheim ist Business as usual.
Im Opel-Werk Rüsselsheim laufen die Bänder noch - dem Insignia sei dank. Foto: dpa Quelle: dpa

Im Opel-Werk Rüsselsheim laufen die Bänder noch - dem Insignia sei dank. Foto: dpa

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RÜSSELSHEIM. In der Endmontage rollen Insignia-Modelle über die Bänder. Schwarz, weiß, silber- und anthrazitfarben. Ein Mitarbeiter überprüft beim Qualitätscheck, ob die Tür eines Wagens richtig eingestellt ist, ob das Licht so funktioniert, wie es soll. Im Werk ist ein Hupen zu hören. Die quietschenden Reifen von Autos, die von A nach B bewegt werden, erinnern an ein Parkhaus. Ein Gabelstapler fährt vorbei. Kurz: Es geht geschäftig zu.

In Rüsselsheim hat Opel die Werksferien nicht verlängert, sondern fährt am Samstag sogar noch eine Sonderschicht bis um 14.15 Uhr. In Bochum und Eisenach stehen die Bänder dagegen schon seit Anfang dieser Woche still. Fast alle Autobauer in Deutschland haben wegen mangelnder Auslastung die Weihnachtsferien verlängert oder gar Kurzarbeit angemeldet - egal ob Daimler, BMW, Volkswagen oder Audi, ja selbst die erfolgsverwöhnte Sportwagenschmiede Porsche.

Das Opel-Werk in Hessen brummt, weil am 20. Oktober die Serienproduktion des neuen Flaggschiffs begonnen hat und in diesen Stunden das 20 000. Fahrzeug hergestellt wird. "Unsere Zukunft heißt Insignia", ist auf einem Werbeplakat in der Fabrikhalle zu lesen. Der Nachfolger des Vectra soll für die Tochter des schwer angeschlagenen General-Motors-Konzerns zur Wunderwaffe werden. Sie soll Opel wieder zu einem Qualitätsimage verhelfen, zum Comeback in der Mittelklasse, sie soll es ermöglichen, Boden gegenüber der Konkurrenz gut zu machen, vor allem gegen die kürzlich neu aufgelegten VW Passat und Ford Mondeo, sie soll die Zukunft des Werks Rüsselsheim sichern und das Europageschäft retten. Kein Wunder also, dass Opel-Chef Hans Demant von "einer der wichtigsten Modelleinführungen" in dem Werk spricht.

Sie hat den Mitarbeitern frisches Selbstvertrauen gegeben. Die Identität hatte unter dem Imageverlust in Folge von Qualitätsmängeln gelitten, der dafür sorgte, dass sich der Marktanteil des einstmals zweitgrößten deutschen Autobauers nach VW innerhalb von zwölf Jahren bis 2007 fast halbierte - auf 9,1 Prozent. Werksdirektor Axel Scheiben berichtet von spontanem Applaus der Mitarbeiter, als er den Insignia in der Lackiererei vorstellte. "Das hatten wir seit dem Calibra nicht mehr", sagt er, und das ist fast 20 Jahre her. Vielleicht schwingt etwas Wunschdenken mit, wenn er fortfährt: "Die Leute haben ein gutes Gespür dafür."

Derzeit wird vor allem für die Ausstattung der Händler produziert. Doch es liegen auch 10 000 Bestellungen vor. Mitte Januar beginnt die Serienfertigung der für den deutschen Markt so wichtigen Kombiversion "Sports Tourer", dem dritten Modell nach Stufen- und Fließheckversion. Seit dem 22. November steht der Insignia in den deutschen Autohäusern. In Januar und Februar startet er auf den wichtigen Massenmärkten Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien.

Doch auch wenn Scheiben glaubhaft von einem "wettbewerbsfähigen Fahrzeug mit gutem Potenzial" schwärmt, will er wegen der aktuellen Branchenkrise keine Produktionsprognosen mehr für das Jahr 2009 wagen. Denn Opels Deutschlandabsatz brach im November um 35,9 Prozent ein. "Es wird auf Sicht gefahren", sagt der Mann, der im Sommer als der Insignia im Beisein von GM-Vizechef Bob Lutz Weltpremiere in London hatte, noch das Ziel von 180 000 hergestellten Wagen für diesen Zeitraum vorgab.

Für weitere Unsicherheit sorgen die ständigen Insolvenzspekulationen um Konzernmutter General Motors. Sie könnten sich sehr kurzfristig auf die Marke Saab auswirken, die auf dem Prüfstand steht. Das hätte Folgen für das Werk Rüsselsheim. Denn dort soll das Saab-Spitzenmodell 9.5 produziert werden. In den Weihnachtsferien beginnen die Umbauarbeiten für den geplanten Start der Vorserienfertigung im März. Mit Aufnahme der Serienproduktion ist die Ausweitung vom Zwei- auf den Dreischichtbetrieb in Rüsselsheim geplant. Ob es dabei bleiben wird? Scheibens Antwort fällt knapp aus: "Ich habe die Devise ausgegeben: Wir bauen das Fahrzeug."

Derzeit kommen die Mitarbeiter mit vielen Fragen auf ihn zu. Dennoch berichtet er von einer "motivierten Mannschaft, die Stimmung ist gut. Jeder kümmert sich um seine Arbeit". Von Samstagmittag an haben die 3 400 Mitarbeiter in der Herstellung jedoch frei. 200 bis 300 Menschen werden dann für die Umbauarbeiten schuften. Die müssen abgeschlossen sein, wenn die Produktion am 5. Januar wieder anläuft.

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