Der Bankier Friedel Neuber saß bis zu seinem Tod dem Kontrollgremium vor
RWE sucht Chef für Aufsichtsrat

Seit Friedel Neubers plötzlichem Tod steht der Energiekonzern RWE ohne Aufsichtsratschef da. Voraussichtlich am 8. Dezember soll ein nachfolger gewählt werden. Es kursieren mehrere Namen, aber nur wenige haben Chancen.

HB DÜSSELDORF. Nach Informationen aus Bankenkreisen suchen die Aufsichtsratsmitglieder ihren neuen Chef auch außerhalb ihres Gremiums. In Vorabgesprächen der Kapitalseite im Aufsichtsrat werde auch ein externer Manager als Nachfolger für Neubert als Aufsichtsratschef gehandelt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus diesen Kreisen. Dabei handele es sich um eine bekannte Persönlichkeit „aus dem Bankenumfeld“, die auch von den kommunalen Eignern im Aufsichtsrat akzeptiert werde.

Nach der RWE-Satzung muss eine Vakanz in der Führung des Aufsichtsrats „unverzüglich“ beseitigt werden. Seit Neubers Tod am vorigen Samstag hat der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Frank Bsirske die Funktion des Vorsitzenden vorübergehend übernommen. Vor der nächsten regulären Sitzung solle keine weitere außerordentliche Sitzung einberufen werden, hieß es in Unternehmenskreisen. RWE wollte sich zum Thema Aufsichtsratsvorsitz nicht äußern. „Ein Zeitpunkt steht noch nicht fest“, sagte eine Konzernsprecherin. In den Unternehmenskreisen hieß es weiter, der Aufsichtsrat brauche einige Zeit zu Vorberatungen. Die Einigung auf einen neuen Vorsitzenden sei nicht einfach.

Im RWE-Aufsichtsrat sitzen auf der Kapitalseite auch vier Vertreter der Kommunen. Ihnen wird aber im Unternehmen kaum eine Chance auf den Führungsposten im Aufsichtsrat eingeräumt. „Das wäre ein sehr schlechtes Signal für den Kapitalmarkt“, hieß es aus den Kreisen. Internationale Investoren stört es seit langem, dass Vertreter der öffentlichen Hand in einer Publikumsgesellschaft eine so starke Position haben. Die Kommunen halten etwa ein Drittel an RWE. Voriges Jahr hatten die kommunalen Eigner der Tochter RWE Gas zunächst deren Eingliederung in die neue Konzernstruktur verhindert und damit die Struktur insgesamt torpediert.

Kaum Chancen werden dem früheren RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt eingeräumt. Er habe keine „Hausmacht“ mehr, heißt es. Vielmehr würde eine solche Wahl den jetzigen Vorstandschef Harry Roels düpieren. Der müsse schließlich mit einem Sparprogramm die Finanzprobleme lösen, die sein Vorgänger durch seine expansive Akquisitionspolitik verursacht habe. Kuhnt waren schon nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand vor anderthalb Jahren Ambitionen auf den Aufsichtsratsvorsitz nachgesagt worden. Doch Neuber blieb damals auf seinem Posten. Gegen Kuhnt als neuen Aufsichtsratschef könnte auch sprechen, dass sich RWE den Regeln des Corporate-Governance-Kodex verpflichtet hat. Der empfiehlt, dass Vorstandschefs mindestens drei Jahre keine Führungsposition im Aufsichtsrat übernehmen sollen.

In Bankenkreisen werden auch Allianz-Vorstand Paul Achleitner kaum Chancen eingeräumt, obwohl er den größten Einzelaktionär bei RWE vertritt. Gegen den ehemaligen Bayer-Chef Manfred Schneider sprächen seine zahlreichen bisherigen Aufsichtsratsposten, hieß es weiter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%