Der BMW-Chef und seine 100-Tage-Bilanz
Reithofers Reich

Nach gut 100 Tagen im Amt stellte BMW-Chef Norbert Reithofer am Donnerstag zum ersten Mal die Quartalsergebnisse vor. Auch wenn mancher Wermutstropfen dabei war: Die Zahlen fielen gut aus. Und damit wird die Bürde für den neuen Chef noch einmal schwerer.

MÜNCHEN. Wer in diesen Tagen auf den Münchener Fernsehturm fährt, kann gleich zwei Attraktionen bestaunen. Im Süden rückt der Föhn Wendelsteinmassiv und Zugspitze ganz nah. Doch auch auf der Nordseite der Aussichtsplattform kommt es zu touristischer Rudelbildung: Münchens größte Baustelle harrt der Vollendung. Ein Komplex aus Glas und Stahl strebt empor: Die „BMW-Welt“ mit Auslieferungszentrum samt Automuseum soll der neue touristische Magnet der Stadt werden.

Darüber thront der frisch renovierte Vierzylinder, das Verwaltungsgebäude des Auto-Konzerns. Hier sitzt, ganz oben, über 35 000 Mitarbeitern in München, seit gut 100 Tagen ein neuer Chef: Norbert Reithofer. BMW macht nicht unbedingt alles anders als der Rest der Branche – aber vieles einfacher. Und das ist oft einfach besser. Für BMW ist das toll, für den neuen Boss allerdings auch eine Bürde. Denn er muss bald schon zeigen, dass er mindestens ebenso gut ist wie seine Vorgänger – eine Rundreise durch Reithofers neues Reich.

Der Neue: Norbert Reithofer ist eigentlich kein Mann für die Showtreppe. Ein wenig steif steht Reithofer im Scheinwerferlicht auf dem Pariser Autosalon. Das Tuch ist dunkel, die Brille randlos, die Gesten spartanisch. Besonnen und nüchtern wirkt der erste große Auftritt des Maschinenbauers mit dem feinen Lächeln und dem bayerischen Dialekt.

Vom maskulinen Glamour eines Dieter Zetsche, der als Daimler-Chrysler-Chef schon mal mit Lederjacke und Basecap auf die Bühne steigt oder zur E-Gitarre greift, ist Norbert Reithofer meilenweit entfernt. Und auch das kultivierte Rebellentum des VW-Markenchefs Wolfgang Bernhard ist dem BMW-Chef fremd.

Etwas bieder klingt auch, was er sagt: „Profitabilität geht vor Wachstum“, sagt Reithofer. Oder: „Wir werden unsere führende Stellung als Premiumanbieter verteidigen.“ Die Konturen des Neuen bleiben noch unscharf – auch weil es die Kultur des Konzerns so verlangt. „Bei BMW ist ein Vorstandsvorsitzender eher ein Manager – also ein Verwalter – im ursprünglichen Sinn“, sagt Christoph Stürmer, Autoexperte beim Prognoseinstitut Global Insight. Reithofer ist der Kandidat des Großaktionärs, der Familie Quandt. Die hält 46,7 Prozent an BMW und schätzt neben Teamfähigkeit vor allem Bescheidenheit bei ihrem Spitzenpersonal als Kardinaltugend.

Geschäftlich hingegen sind die Ambitionen von BMW enorm: 1,33 Millionen Autos wollen die Münchener in diesem Jahr verkaufen, vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern einfahren. Bis 2010 sollen 1,6 Millionen Autos pro Jahr aus den Fabriken von BMW, Mini und Rolls-Royce rollen. Vom obersten Büro des Vierzylinders hat man nur die Gipfel im Blick, nicht die Provinz. Mercedes, Audi, Toyota: Die Konkurrenz darf im weltweiten Kampf um den Markt für Edellimousinen um die Plätze fahren. Die Nummer eins will BMW sein.

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