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29.10.2007 

Die Gewinnwarnung von Freitag hat der Conergy-Aktie den höchsten Tagesverlust seit dem Börsengang im März 2005 beschert. Der Kurs stürzte um bis zu 35 Prozent ab. Der umsatzstärkste deutsche Solarkonzern hatte mitgeteilt, dass der Jahresüberschuss für 2007 nicht wie noch Anfang Oktober bekräftigt 60 Mill. Euro betragen, sondern ein Verlust anfallen werde. Der Vorstand gab Lieferverzögerungen bei Modulen die Schuld. Diese würden nicht wie erwartet im vierten Quartal geliefert und würden zu Umsatzeinbußen von 130 Mill. Euro führen. Conergy beeilte sich zwar, noch am Freitag eine Meldung über die Lieferung von Siliziumscheiben (Wafer) im Volumen von bis zu acht Mrd. Dollar nachzuschieben, doch diese Lieferungen beginnen erst im Juli 2008.

Das Vertrauen in die Aktie und das Unternehmen wurden nachhaltig gestört, denn noch Anfang Oktober hatte das Unternehmen Gerüchte über Lieferschwierigkeiten zurückgewiesen. Allerdings wurde die Ablösung des Finanzchefs bereits als schlechtes Zeichen aufgenommen und ließ die Aktie um bis zu neun Prozent fallen. Jetzt haben Analysten reihenweise die Empfehlung für die Conergy-Aktie gesenkt. Die Commerzbank stufte das Papier von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ herunter.

Offensichtlich rächt es sich für Conergy, dass der Vorstand im November vergangenen Jahres eine radikale strategische Wende vollzogen hat. Bis dahin konzentrierte sich das Unternehmen auf die Projektierung und den Verkauf von Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien. Nun möchte Conergy ein integrierter Solarkonzern mit eigener Fertigung werden, ohne die Geschäftsbereiche Biomasse, Wind und Solarwärme aufzugeben. Die Hälfte des Umsatzes soll weiterhin außerhalb der Photovoltaik und außerhalb Deutschlands erzielt werden. Mit Investitionen von 250 Mill. Euro baut Conergy in Frankfurt/Oder am Standort der projektierten Chipfabrik eine Fabrik zur Fertigung von Wafern, Zellen und Modulen für Solarstrom mit rund 1 000 Beschäftigten. Den dafür benötigten Rohstoff Silizium kauft das Unternehmen weiter zu.

Analysten äußerten gleich Zweifel, ob dieser Strategieschwenk richtig sei. Bisher hatte der Vorstand den Verzicht auf eine eigene Produktion vor allem wegen der geringeren Fixkosten stets als Wettbewerbsvorteil ins Feld geführt. Die fehlende Erfahrung in der Fertigung sahen viele Analysten als Manko an. Vor allem aber kritisierten die Marktbeobachter, dass Conergy nicht wie zunächst geplant auch eine eigene Siliziumproduktion aufbaut oder sich zumindest an einem Hersteller beteiligt. Conergy kauft das knappe Silizium nach wie vor am Markt zu und war bisher nur kurzfristig abgesichert. Es waren bisher keine langfristigen Lieferverträge abgeschlossen worden. Der Vorstand rechnete mit einem Überangebot an Silizium von 2008 an und daher mit fallenden Preisen.

Mit dieser Strategie ist der Vorstand gescheitert. Jetzt hat er nicht nur Lieferprobleme eingeräumt, sondern auch einen langfristigen Liefervertrag abgeschlossen, der Lieferungen bis zum Jahr 2018 sichern soll.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wettbewerber unter Druck

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