Der Cabrio-Spezialist geht mit gedämpften Erwartungen ins Jubiläumsjahr des Karmann-Ghia
Karmann stellt sich auf sinkende Produktionszahlen ein

Nach einem turbulenten Jahr mit Produktionsrekord und Personalabbau sieht sich der Osnabrücker Cabrio- und Dachsystemespezialist Karmann nun auf einem Kostenniveau, das auch eine Abschwächung des Geschäfts verkraften lässt.

hof FRANKFURT. Für dieses Jahr rechnet das Unternehmen, das zurzeit für Audi, Mercedes und Chrysler Nischenfahrzeuge baut, mit sinkenden Produktionszahlen. „2004 war ein Ausnahmejahr, das sich schwer wiederholen lässt“, sagte ein Sprecher.

Den Rekordstand von 2004 dürfte Karmann – die Firma feiert in diesem Jahr das 50. Jubiläum des Kultautos VW Karmann-Ghia – auch in der Folgezeit so schnell nicht wieder erreichen. Geschäftsführer Bernd Lieberoth-Leden prognostiziert ab 2007 eine weltweit sinkende Nachfrage nach offenen Autos, es sei denn, es kommt zu Innovationen wie der des faltbaren Stahldachs. Der Kampf um Aufträge wird zusätzlich schwieriger, weil einige Autohersteller angekündigt haben, Cabrios künftig wieder in Eigenregie zu bauen.

Karmann, hinter der österreich-kanadischen Magna Steyr und vor dem finnischen Porsche-Boxster-Produzenten Valmet der zweitgrößte europäische Autobauer ohne eigene Marke, produzierte im vergangenen Jahr mehr als 94 000 Autos. Von den Bändern in Rheine und Osnabrück läuft das Audi A4 Cabrio, der offene Mercedes CLK sowie die Coupé- und die Roadster-Version des Chrysler Crossfire. Über neue Aufträge werde verhandelt, konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht, sagte der Sprecher.

Um sich auf die Abschwächung der Nachfrage, die zum Teil auf den schwachen Dollar zurückzuführen ist, einzustellen, hat Karmann in den vergangenen Monaten die Zahl der Mitarbeiter in der Gruppe um rund 1 000 auf 8 600 Personen reduziert. Betroffen waren vor allem die deutschen Standorte. Im Fahrzeugbau wurden 700 befristete Verträge vorzeitig gekündigt, die Kündigungen in der Stammbelegschaft konnten durch Sparmaßnahmen wie reduzierte und flexiblere Arbeitszeiten auf 250 begrenzt werden. Außerdem fielen im Bereich Betriebsmittelbau, der Produktionsanlagen an Autobauer liefert, weitere 250 Stellen weg. „Nun haben wir das Beschäftigungsproblem gelöst“, sagte der Sprecher.

Finanziell war 2004 für Karmann nach Firmenangaben ein gutes Jahr: Der Gruppenumsatz stieg um 16 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Zum Ertrag teilte Karmann lediglich mit, dass er in der Gruppe „zufriedenstellend“ gewesen sei. Die Ankündigung des Firmenchefs, den Gewinn 2004 zu steigern, dürfte angesichts des erhöhten Geschäftsvolumens sicher erreicht worden sein.

Deutlich gewachsen ist 2004 auch der Bereich Cabriodächer, der unter anderem Renault und VW beliefert. Die Zahl der Einheiten erhöhte sich um rund ein Drittel auf 160 000. Hier sieht sich Karmann als Marktführer. Als neue Kunden wurden Pontiac und Chrysler gewonnen. Für diese Aufträge baut das Unternehmen gerade seine US-Präsenz aus.

Beim Bau von ganzen Autos wird dagegen der Kampf immer härter, je höher der Kostendruck der Autokonzerne wird. Um die immensen Überkapazitäten – sie werden in Europa zurzeit auf mehr als 20 Prozent geschätzt –auszulasten, tendieren die Autobauer dazu, auch Kleinserien wieder in Eigenregie zu bauen. So will Audi das nächste A 4 Cabrio wieder selbst bauen, GM Europa plant das gleiche für das kommende Saab-Cabrio.

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