Der Chef des Essener RAG-Konzerns will die deutsche Steinkohle rehabilitieren
Müllers Zahlenspiele

Die Schlagzeile der ganzseitigen Anzeigen in auflagenstarken Blättern wie „Spiegel“ oder „Bild“ springt den Leser förmlich an. „Die globale Rohstoffkrise verheizt den Mittelstand“, lautet die alarmierende Botschaft einer bundesweiten Kampagne, mit der der Essener RAG-Konzern und die Wirtschaftsvereinigung Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) die Debatte um die Versorgungssicherheit in Deutschland anheizen.

DÜSSELDORF. Der Betrachter der Anzeige sieht rot glühenden Koks, der sich mitten durch die Deutschlandfahne frisst – was offenbar suggerieren soll: Dem Herzstück des industriellen Mittelstands droht das Aus, wenn nicht bald etwas passiert. Dann stehen 500 000 Jobs in den gut 4 000 Betrieben der Stahl- und Metall verarbeitenden Industrie auf dem Spiel. „Trotz voller Auftragsbücher werden für immer mehr Unternehmen die explodierenden Preise für Koksimporte zur Existenzfrage“, warnt WSM-Hauptgeschäftsführer Andreas Möhlenkamp.

Es ist gerade eine Woche her, dass Müller mächtig Staub aufgewirbelt hat mit seinem Vorschlag, erstmals nach mehr als 30 Jahren in Deutschland ein neues Bergwerk zu bauen. Die Aussicht auf 3 000 neue Jobs in einer von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Region – zweifellos eine äußerst geschickte Wahlkampfhilfe des früheren Bundeswirtschaftsministers im Vorfeld der Kommunalwahlen in Nordrhein- Westfalen. Außerdem ist es dem parteilosen Müller gelungen, einen mächtigen Verbündeten zu gewinnen. Gemeinsam mit WSM-Präsident Jürgen Thumann, der im November zum neuen Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie gewählt werden soll, versucht Müller, die deutsche Steinkohle zu rehabilitieren.

Thumann und Müller, diese ungewöhnliche Allianz dürfte es den Gegnern der Kohlesubventionen in den Reihen von CDU und FDP noch schwer machen. Schon die jüngste Kritik von FDP-Vize-Chef Rainer Brüderle an seinem Zechenprojekt konterte Müller süffisant mit dem Satz: „Das ist eine faustdicke Überraschung, denn damit gibt Herr Brüderle den Metall verarbeitenden Mittelstand auf.“

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