Die deutsche Wirtschaft entdeckt zunehmend die Vorteile der Familienfreundlichkeit. So ermöglichen die Unternehmen einer Studie zufolge immer häufiger flexible Arbeitszeiten und bessere Einbeziehung während der Elternzeit. Die Chefs sind auch nicht mehr so zögerlich, Papi gegenüber seinen Kindern in die Pflicht zu nehmen.
HB BERLIN. Drei Viertel der befragten Unternehmen nannten Familienfreundlichkeit wichtig in der Studie, die Familienministerin Ursula von der Leyen und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Dienstag in Berlin vorstellten. Vor drei Jahren sagte dies nur knapp die Hälfte der Befragten. Für den „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ befragte das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zum zweiten Mal rund 1100 Personalleiter und Geschäftsführer.
Laut IW-Direktor Michael Hüther werden die Arbeitgeber bei der wachsenden Wertschätzung der Familie von handfesten ökonomischen Interessen angetrieben. „Es handelt sich also nicht um Folklore.“ Die Unternehmen hätten erkannt, dass sie durch entsprechende Angebote qualifizierte Kräfte in ihre Betriebe locken und ihre Mitarbeiter halten könnten. So gaben 83 Prozent der Befragten an, durch eine entsprechende Maßnahme die eigene Attraktivität auf einem immer stärker umkämpften Arbeitsmarkt steigern zu können. „Wer die besten Arbeitskräfte haben will, der kommt um die Kombination Familie plus Arbeit nicht mehr herum“, erklärte Ministerin von der Leyen.
Besonders bei der flexiblen Arbeitszeit werden der Studie zufolge immer häufiger Zugeständnisse gemacht. Fast neun von zehn Unternehmen bieten in diesem Bereich mindestens eine Option an. Außerdem würde häufiger dem Wunsch nach einer aktiveren Gestaltung der so genannten Elternzeit entsprochen. „Viele Unternehmen sind außerdem an einer Kontaktpflege während der Elternzeit interessiert“, sagte Hüther. Dadurch solle die Rückkehrquote der Beschäftigten erhöht werden. Zudem würden immer mehr Väter von ihrem Arbeitgeber animiert, die Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Waren es vor drei Jahren noch rund 3,5 Prozent der Unternehmen, waren es nun fast zehn Prozent.
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Trotz der vielversprechenden Zahlen sieht die Ministerin auch Defizite in Deutschland. „Insgesamt sind wir relativ spät gestartet bei der Frage, wie integrieren wir die Familie im Raum einer ganz realen Arbeitswelt“, sagte die CDU-Politikerin. Frankreich, die Beneluxländer, Großbritannien oder die skandinavischen Länder seien dabei fortschrittlicher gewesen. „Wir holen aber mit einer hohen Dynamik auf“, so von der Leyen.
Arbeitgeberchef Dieter Hundt sagte, angesichts des jetzt bereits spürbaren Fachkräftemangels werde es für die Unternehmen immer wichtiger, „Know-how und die Erfahrung der Beschäftigten im Betrieb zu halten“.
Bei der betrieblichen Kinderbetreuung sieht von der Leyen dagegen noch erhebliche Defizite. „Viele Unternehmen machen noch nicht mit“, sagte sie dem Sender n-tv. Die Bundesregierung wolle deshalb diejenigen Unternehmen, die betriebliche Kinderbetreuung anbieten oder planen, mit Mitteln aus dem europäischen Sozialfonds von 2008 an fördern. Arbeitgeberpräsident Hundt verteidigte die Zahl der Betriebskindergärten. Kinderbetreuung sei primär eine gesamtstaatliche Aufgabe. Unternehmen könnten nur in dem Umfang aktiv werden, soweit es wirtschaftlich vertretbar sei, so Hundt. Dies erklärt auch die Tatsache, dass die Zahl familienfreundlicher Angebote in größeren Betrieben höher ist als in Unternehmen mit nur wenigen Arbeitnehmern.

