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20.02.2008 
RWE-Konzernumbau

Der den Wind sät

von Jürgen Flauger

Zupacken und umbauen: RWE-Chef Jürgen Großmann hat ein ambitioniertes Ziel, das Unternehmen soll schlanker, schneller und schlagkräftiger werden. Damit hebt sich der Selfmade Milliardär von seinem Vorgänger Harry Roels ab. Kaum fünf Monate im Amt, legt der RWE-Chef ein hohes Tempo vor. Nun aber stößt er auf Widerstand – und der ist stärker als erwartet.

Jürgen Großmann: Der neue RWE-Chef macht mächtig Wind im Konzern. Foto: dpaLupe

Jürgen Großmann: Der neue RWE-Chef macht mächtig Wind im Konzern. Foto: dpa

ESSEN. "Mehrzwecksaal": Das klingt eigentlich nach schlechtem Sport und provinziellen Festen. Aber es klingt auch nach Bodenständigkeit - und auf die legt Jürgen Großmann großen Wert.

Deshalb bittet der neue Chef von RWE am Freitag in den "Mehrzwecksaal" zu seiner ersten Bilanzpressekonferenz. Der Saal gehört dem Konzern, früher beherbergte der muffige 70er-Jahre-Bau sogar die RWE-Zentrale, und sogar die Adresse in Essen - Kruppstraße - vermittelt erdiges Traditionsbewusstsein.

Es ist wieder so ein Symbol dafür, dass Jürgen Großmann anders sein will. Sein Vorgänger Harry Roels ließ zur Bilanz im gläsernen Veranstaltungspavillon der schicken Essener Philharmonie Platz nehmen. Der ist zwar repräsentativ, dem neuen Chef aber um 100 000 Euro zu teuer.


Tabelle  Infografik: Jürgen Großmanns neues Reich.


"Mittelständische Direktheit" lautet das Credo, das Selfmade-Milliardär Großmann zu seinem Dienstbeginn Anfang Oktober für den Energieriesen RWE ausgegeben hat. Kaum fünf Monate später steht fest: Der 55-Jährige bleibt sich treu, er legt ein so hohes Tempo vor, als sei er der geschäftsführende Gesellschafter in einer 500-Mann-Firma. Das imponiert vielen, aber es provoziert auch manche - innen wie außen.

Mitarbeiter stöhnen, und Konkurrenten klagen. Vor allem gegen Großmanns Konzernumbau formiert sich der Widerstand. Heute tagt der Aufsichtsrat im 120 Meter hohen "Megawattturm", der Konzernzentrale in Essen - und die Sitzung dürfte turbulent werden. Die Arbeitnehmer wollen sich entschlossen gegen die Umstrukturierung wehren.

Erst der Aufsichtsrat, dann die Bilanzpressekonferenz: Es ist die bisher wichtigste Woche in Großmanns kurzer Amtszeit bei RWE.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Rundumerneuerung des Konzerns.

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