Der Fall Mannesmann
Rückblick: Esser macht Aktionäre reich

Das Monopoly um Mannesmann bescherte den Aktionären immense Kursgewinne. Die teure Übernahmeschlacht zwischen Europas Mobilfunk-Elite an Weihnachten 1999 war die Vorgeschichte des heutigen Prozesses.

BERLIN. Die teuerste Übernahme der Welt begann am 14. November 1999 zum Fünf-Uhr-Tee. Vodafone-Chef Chris Gent hatte sich an dem Sonntagnachmittag bei Mannesmann-Chef Klaus Esser eingeladen, um ihm die einvernehmliche Übernahme seines Konzerns durch Vodafone vorzuschlagen. Als äußerst unangenehm beschrieben später Essers Berater den Auftritt Gents. Er habe einen offenbar auswendig gelernten Text heruntergeleiert, das Angebot auf den Tisch gelegt und gesagt: Nimm es, oder ich ziehe es auch feindlich durch.

Gents Angebot lautete auf einen Aktientausch: Pro Mannesmann-Papier bot Vodafone eigene Aktien im Wert von gut 200 Euro an. Die Mannesmann-Aktie hatte da gerade ein Hoch von 188 Euro erreicht. Der Mobilfunkmarkt boomte. In der Telekommunikationsbranche kämpfte gerade jedes größere Unternehmen darum, durch Zukäufe in europäischen Nachbarländern zum internationalen Player aufzusteigen. Mannesmann galt mit den Mobilfunktöchtern D2 und der italienischen Omnitel als eines der wertvollsten Unternehmen der Branche.

Viel zu niedrig sei das Übernahmeangebot, befand Esser sofort, nachdem sich Gent auf den Rückweg nach Newbury begeben hatte, dem Stammsitz von Vodafone. Die Mannesmann-Aktie sei wegen des Wachstumspotenzials in Mobilfunk und Internet mindestens 350 Euro wert. Zumindest davon überzeugte Esser die Aktienmärkte: Vodafone-Aktien über 370 Euro bekamen die Mannesmann-Aktionäre. Mit dem Höhenflug der Aktie begründete der chinesische Mannesmann-Großaktionär Canning Fok nach der Einigung auch seinen Vorschlag einer Anerkennungsprämie für Esser.

Vor dem Angriff Gents allerdings hätte sich der Mannesmann-Chef am liebsten selbst an Vodafones Stammhaus in Newbury beteiligt. Dies jedoch hatte Gent stets abgelehnt. Im großen Mobilfunk-Monopoly aber wollte Esser unbedingt eine Beteiligung in Großbritannien. Am 20. Oktober 1999, nach der Feier des zehnjährigen Jubiläums von D2, jettete Esser nach London, um Vodafones Konkurrenten Orange zu kaufen. Es war der damalige Telekom-Chef Ron Sommer, der Esser vor einem Angriff des verärgerten Gent warnte.

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