Der Fluch des Staates: EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Der Fluch des Staates
EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Es muss frustrierend sein: Jahrelang will sich Airbus von Frankreich emanzipieren. Doch stattdessen steigt nun auch noch Deutschland beim Mutterkonzern EADS ein. Lösen könnte das Problem notfalls die Schuldenkrise.
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München/ParisManfred Bischoff hatte bei der Gründungsfeier am 14. Oktober 1999 ein ungutes Gefühl. Der Chef der Daimler-Luftfahrttochter Dasa konnte den Vertrag zur Gründung von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erst nach scheinbar endlosen Verhandlungen mit seinen französischen Partnern unterzeichnen. Sein Gefühl trog nicht: Der Tag war auch die Geburtsstunde eines Dauerstreits zwischen Frankreich und Deutschland um Arbeitsplätze, Prestige und vor allem auch um Macht.

Anders als von Bischoff gefordert, bekam der französische Staat gleich zu Beginn ein Aktienpaket an dem neuen Luft- und Raumfahrtkonzern. Für Frankreich, erläuterte der damalige französische Staatschef Jacques Chirac, seien zwei Dinge wichtig: Kultur und Luftfahrt. „Das ist eben die Kröte die wir schlucken mussten“, bemerkte Bischoff flapsig.

Die Deutschen hofften auf die vage Zusage, dass sich die Regierungen aus Paris und Madrid langfristig aus EADS zurückziehen. Doch entgegen allen Beteuerungen ist Frankreich bei der EADS immer noch nicht ausgestiegen. Obwohl der französische Medienunternehmer Arnaud Lagardère die Verantwortung für die französischen Anteile tragen sollte, entscheidet faktisch die Politik.

Den deutschen Gründungsaktionär Daimler schreckten die politischen Ränkespiele zunehmend ab. Einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS übernimmt nun die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau, 2013 dürften weitere 7,5 Prozent dazukommen, wenn ein von Daimler geparktes Aktienpaket frei wird. Dann wird Daimler seinen Anteil von ursprünglich 30 auf nur noch 7,5 Prozent abgeschmolzen haben.

Der Analyst einer französischen Großbank versteht den Daimler-Frust: „Man kann von keinem Industrieunternehmen verlangen, einen Anteil an einem anderen Konzern aus einer fremden Branche zu halten, ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik zu haben.“ Kein Wunder, dass Berlin trotz monatelanger Suche keinen privaten deutschen Investor fand. Das deutsch-französische Machtspiel schreckt die Privaten ab. Der geplante Einstieg der KfW schürt nun wiederum das Misstrauen der Franzosen. Auch deshalb verschleppen sie den eigentlich schon 2007 vereinbarten Chefwechsel.

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