Der große Kampf um Alstom
Auch Hitachi schlägt sich auf Siemens' Seite

Das Bietergefecht um den französischen Industriekonzern Alstom wird komplexer. Mitsubishi Heavy und Hitachi buhlen mit Siemens um die Firma. Die französische Regierung pocht auf bessere Offerten.
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TokioEin weiteres Unternehmen hat sich in das Bieterrennen um den französischen Alstom-Konzern eingeschaltet: Die japanische Hitachi gesellt sich nun ebenfalls zu Siemens, nachdem sich die Münchener am Mittwoch bereits mit Mitsubishi Heavy gegen den US-Rivalen General Electric verbündet hatten.

Hitachi führe Gespräche, um sich dem gemeinsamen Vorhaben anzuschließen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Mitsubishi und Hitachi betreiben seit Februar die Gemeinschaftsfirma MHPS, die konventionelle Kraftwerkstechnik herstellt. MHPS gehört zu 65 Prozent Mitsubishi, den Rest hält Hitachi. Siemens wollte zunächst keine Stellung zu den Plänen nehmen.

Das von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erwogene Angebot für den französischen Rivalen Alstom beläuft sich nach japanischen Informationen auf umgerechnet 7,2 Milliarden Euro (eine Billion Yen). Das berichtete die führende japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Donnerstag ohne Nennung von Quellen. Demnach will MHI zusammen mit der heimischen Hitachi-Gruppe ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um die Dampfturbinen-Sparte von Alstom für 500 Milliarden Yen zu übernehmen.

Das Geschäft mit Stromnetzen von Alstom sei dabei nicht Teil der Planung, hieß es. Siemens holte Mitsubishi Heavy Industries als Partner ins Boot, um einer Offerte von General Electric (GE) für Alstom Paroli zu bieten. Die Offerte liegt eigentlich deutlich unter dem Angebot von GE, das sich auf mehr als 12 Milliarden Euro beläuft. Allerdings sieht das deutsch-japanische Gebot eine Aufteilung einzelner Alstombereiche und zugleich eine Stärkung des Zuggeschäfts der Franzosen vor.

Der US-Konzern General Electric gibt sich aber keineswegs geschlagen. Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens zufolge gibt es eine weitere Runde von Lobby-Gesprächen mit Vertretern Frankreichs über das GE-Angebot für das Energie-Geschäft von Alstom. Steve Bolze, Chef der Energie- und Wassersparte von GE, sowie John Flannery, der Verhandlungsführer des Konzerns, seien in dieser und der kommenden Woche zu Gesprächen in Frankreich, so eine über die Vorgänge informierte Person gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Offerte von GE läuft noch bis zum 23. Juni.

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  • Das sehe ich GANZ genau so!

  • Ein gemeinsamer Ansatz mit den japanischen Freunden wäre sicherlich der einzig gangbare, ansonsten setzt sich Siemens unkalkulierbaren Risiken in Frankreich aus. Viele Merger mit französischen Unternehmen haben am Ende immer nur Nachteile für die deutsche Seite gebracht, zB sei an den Hoechst-Aventis-Sanofi Deal erinnert, oder noch prominenter die Entwicklung der EADS. In jedem Fall wurde aus Gemeinschaftsunternehmen mit einem franz. Unternehmen am Ende immer eine völlig französische Veranstaltung. Dieses strategische Vorgehen des politisch-großindustriellen Netzwerkes in Frankreich haben die naiven deutsche Politiker leider nie durchschaut.
    Ein gemeinsamer Ansatz von Siemens mit den Japanern könnte dagegen die Möglichkeit bieten, letzte politische Netzwerke in den dann stark zerlegten Alstom-Einheiten zu zerschlagen und der kommerziellen Vernunft Vorfahrt zu verschaffen.

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