Der große Zankapfel auf dem deutschen Pharmamarkt
Hintergrund: Tauziehen um Pfizer-Cholesterinmittel Sortis

Das Pfizer-Mittel Sortis, auch unter dem Namen Lipitor bekannt, bleibt der große Zankapfel auf dem deutschen Pharmamarkt.

shf DÜSSELDORF. Den jüngsten Hieb in der Debatte um das Cholesterinmedikament teilte jetzt das neu geschaffen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IGWiG) aus. In einer Analyse der so genannt Statine kam das Institut zu dem Ergebnis, dass Atorvastatin, der aktive Wirkstoff von Sortis, anderen Substanzen aus der Gruppe der Statine nicht überlegen sei. Das IGWiG unterstützt damit die Position seines Dienstherren, des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen. Dieser hat Sortis im vergangenen Jahr - gegen den heftigen Widerstand des Herstellers Pfizer und den Protest der Pharmabranche - in eine neu geschaffen Festbetragsgruppe für Statine eingeordnet, für die seit Jahresbeginn ein einheitlicher Höchsterstattungsbetrag (Festbetrag) im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen gilt. Die gesamte deutsche Pharmaindustrie wertet die neue Festbetragsregelung als Aushöhlung des Patentschutzes.

Sortis erzielte im vergangenen Jahr noch rund 430 Mill. Euro Umsatz auf dem deutschen Pharmamarkt. Da sich Pfizer weigerte, den eigenen Preis um mehr als ein Drittel auf das neue Festbetrags-Niveau zu senken, sind dem Konzern große Teile des Geschäfts mit den gesetzlichen Krankenkassen weggebrochen. Der Umsatz mit Sortis sank in Deutschland in den ersten sieben Monaten um rund zwei Drittel. Branchenkenner betrachten das als klare Bestätigung dafür, dass Preise oberhalb der Festbeträge bei Ärzten und Mitgliedern der gesetzlichen Kassen praktisch nicht durchzusetzen sind.

In Deutschland werden nach Angaben von Pfizer derzeit nur noch rund 300 000 Mitglieder der GKV mit Sortis behandelt – gegenüber 1,5 Mill. im vorigen Jahr. Sie müssen laut Pfizer 20 bis 40 Euro pro Quartal aus eigener Tasche zuzahlen. Weltweit befindet sich das Cholesterin-Medikament unter dem Namen Lipitor dagegen weiterhin auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr stieg der Weltumsatz mit dem Produkt um gut ein Fünftel auf 5,9 Mrd. Dollar. Lipitor (Atorvastatin) ist damit der mit Abstand umsatzstärkste Wirkstoff der Pharmabranche.

Auf dem Rechtsweg will Pfizer in Deutschland das Produkt wieder voll in die Erstattung bringen. „Wir betrachten unsere Entscheidung bei Sortis nach wie vor als richtig und sehen weiterhin keinen Anlass, den Preis auf das Festbetragsniveau zu senken. Denn die Entscheidung, Sortis nicht mehr voll zu erstatten, ist falsch“, sagte Pfizer-Deutschlandchef Walter Köbele im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dem anstehenden Urteil des Berliner Sozialgerichts, bei dem Pfizer gegen die Festbetragsregelung geklagt hat, sehe man daher mit Zuversicht entgegen. Eine erste Verhandlung in dem Fall wird für Oktober oder November erwartet.

Zahlreich Studien hätten die Überlegenheit von Atorvastatin belegt, argumentiert der Pharmariese. Die jüngste Veröffentlichung des IGWiG widerspreche weltweit anerkannten Herz-Kreislauf-Spezialisten und Fachgesellschaften. Selbst die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft habe festgestellt, dass es sich bei Atorvastatin um das am stärksten wirksame Statin handele.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%