Der italienische Luft- und Raumfahrtkonzern will Zugang zum US-Rüstungsgmarkt bekommen
Finmeccanica geht auf Einkaufstour

Finmeccanicas Präsident Francesco Guarguaglini hat im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, dass sein Unternehmen vor allem in den USA nach Technologiefirmen Ausschau halte, die in den Bereichen Raumfahrt, Flugelektronik, Telekommunikation und optische Systeme tätig seien.

ROM. „Die derzeitige politische Situation ist angesichts der intensiven italienisch-amerikanischen Freundschaft vorteilhaft für uns,“ erklärt Guarguaglini. Besonderes Augenmerk gilt Unternehmen, die in der US-Rüstungsbranche tätig sind. Angepeilt sind Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 200 und 700 Mill. Euro.

Die Firmenkasse der zu rund einem Drittel vom Schatzamt in Rom kontrollierten Finmeccanica ist für Akquisitionen gut gefüllt: Das Unternehmen hält noch 18,4 % des weltweit drittgrößten Chipherstellers ST Microelectronics (STM). Aktuell ist das Paket 3,9 Mrd. Euro wert. „Um Zukäufe zu finanzieren, könnten wir unsere Beteiligung an STM in erheblicher Weise – das heißt um mehr als die Hälfte – reduzieren“.

Guarguaglini, der seit April 2002 gemeinsam mit dem früheren Fiat-Auto-Chef Roberto Testore den Konzern führt, hat sich für die Kerngeschäftsfelder Rüstung sowie Luft- und Raumfahrt ehrgeizige Ziele gesetzt: „Den Jahresumsatz dieser Bereiche von 5,3 Mrd. Euro in 2002 wollen wir mittelfristig auf 9 Mrd. Euro steigern.“ Seit ihrem Amtsantritt hat die neue Führungsspitze bereits kräftig an einer neuen Struktur des Konzerns gearbeitet. Im letzten Sommer hat Finmeccanica Marconi Mobile, einen Hersteller von Verteidigungskommunikation, sowie die Satellitengesellschaft Telespazio übernommen; vor wenigen Monaten hat sich der Konzern zu 30 % am Triebwerksbauer Fiat-Avio beteiligt.

Außerdem hat Guarguaglini die Allianz zwischen der Finmeccanica und der britischen BAE-Systems erheblich ausgeweitet. Im Sommer haben die beiden Unternehmen angekündigt, neben dem bestehenden Joint Venture für militärische Radarsysteme, Alenia Marconi Systems (AMS), zwei weitere Gemeinschaftsunternehmen für Verteidigungskommunikation und Flugelektronik zu gründen. Während die Briten bei AMS künftig die Führungsrolle innehaben werden, sollen die Italiener die beiden anderen Joint Ventures kontrollieren.

Mit diesem pragmatischen Ansatz hat sich Finmeccanica von der bisherigen Praxis verabschiedet, internationale Gemeinschaftsunternehmen ausschließlich auf Basis einer Stimmrechtsverteilung von 50:50 zu gründen. Auch unterscheidet sich Guarguaglini insofern von seinem Vorgänger Alberto Lina, dass er Kooperationen mit Deutschland und Frankreich – insbesondere mit dem EADS-Konzern – nicht mehr klar den Vorzug zu geben scheint. Neben der Partnerschaft mit BAE-Systems ist das Unternehmen im zivilen Flugzeugbau ein wichtiger Lieferant des Airbus- Konkurrenten Boeing und damit am Bau des 200 Mrd. Dollar teuren US-Kampfflugzeugs Joint-Strike- Fighter (JSF) beteiligt.

„Der Eindruck, dass wir uns nun ausschließlich in Richtung der angelsächsischen Welt orientieren, ist aber falsch,“ beschwichtigt Guarguaglini. „Wir suchen lediglich pragmatisch nach Lösungen, um unsere Kompetenzen bestmöglich zu verwerten.“ Dazu gehöre es, als Zulieferer an möglichst vielen großen Rüstungsprojekten beteiligt zu sein. So setzt Guarguaglini neben dem JSF große Hoffnung in den Eurofighter, der wegen der hohen Kosten bei den europäischen Regierungen zunehmend umstritten ist. „Hier sollten alle beteiligten Unternehmen es schaffen, durch eine bessere Abstimmung und Zusammenarbeit den Endpreis zu senken.“

In Bezug auf die Raumfahrtsparte Alenia Spazio sagte Guarguaglini, dass Finmeccanica mit Alcatel Space in Verhandlungen zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für den Satellitenbau stehe. „Wir sind an einem guten Punkt angelangt und hoffen, im ersten Quartal 2004 eine Absichtserklärung zu unterzeichnen.“ Das Joint Venture würde rund 1,8 Mrd. Euro umsetzen und einen gewichtigen Gegenpol zum in Europa dominierenden Satellitenhersteller Astrium darstellen. Hinter Astrium stehen EADS und BAE-Systems.

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