Der japanische Autokonzern arbeitet in Deutschland weiter nach den Spielregeln von Daimler-Chrysler
Mitsubishis mysteriöse Welt

Mystery-Shopper werden im Handel all jene Personen genannt, die in geheimer Mission die Kompetenz von Verkäufern testen. Mit dieser umstrittenen Methode wollen Unternehmen erfahren, wie es um den Service im eigenen Haus bestellt ist.

MEINERZHAGEN. Karsten Köchling (Name von der Redaktion geändert) verkauft seit vielen Jahren im südlichen Rheinland Fahrzeuge der Marke Mitsubishi. Er trägt einen schmalen Schnauzer, kurzes, dunkles Haar und steht an diesem regnerischen Julimorgen auf dem Hof seines Autohauses. Köchling stemmt die Hände in die Hüften, schaut auf den neuen Kleinwagen „Colt“ und sagt: „Wer sich für so ein Auto interessiert, der erwartet keinen Verkäufer in Anzug und Krawatte.“ Dann zupft er seinen blauen Wildlederblouson zurecht. „Meine Kunden kamen sich dumm vor, und ich mir auch. Seitdem bleibt das Jackett wieder im Schrank“, sagt er. Dass ihn diese Kleiderwahl bei einer schlechten Beurteilung durch die Mystery-Shopper bares Geld kosten könnte – bis zu 1,5 Prozent der Jahresprovision –, dieses Risiko nimmt er in Kauf.

Nicht nur den Einsatz von Testkäufern als festen Vertragsbestandteil gibt es bei Mitsubishi erst seit der Zugehörigkeit zum Daimler-Chrysler-Konzern. Eine Zeit lang sah es tatsächlich so aus, als ob sich Jürgen Schrempps Vision von der Welt AG auch beim kleinen Mitsubishi-Händler im Rheinland entfalten sollte, mit schicken Verkäufern, teuren Showrooms und neuem Management. Was aber schon in Tokio auf höchster Ebene nicht zusammenwachsen wollte, ist auch in der deutschen Provinz nicht gelungen.

Inzwischen sind die Japaner selbst in eine womöglich existenzbedrohende Krise gerutscht. Seit Monaten produziert der Konzern fast so regelmäßig negative Schlagzeilen, wie Autos von den Bändern rollen: brennende Motoren, Rückrufaktionen, Top-Manager, die wegen Verschleierung von Qualitätsmängeln ins Gefängnis müssen, dazu immer neue Löcher in den Bilanzen. Und für die Kundschaft vielleicht am wichtigsten: Auch die Strategen bei Daimler haben nicht dafür sorgen können, dass es die neuen, teilweise hochgelobten Modelle wie den Van „Grandis“ mit den beliebten Diesel-Motoren gibt. Der Rheinländer Köchling sagt: Daimler wollte ja alles besser machen. Sie haben völlig versagt.“

Längst hat Daimler-Chrysler-Chef Schrempp den Fuß ganz vom Gas genommen, an der letzten Kapitalerhöhung bei den Japanern haben sich die Stuttgarter nicht beteiligt – der Einstieg in den vollständigen Ausstieg, wie Experten vermuten. Genau den sehnen viele Händler herbei, weil sie einen Neuanfang brauchen. Gerade in Deutschland haben sich, anders als in anderen europäischen Ländern, die Verkäufe besonders schlecht entwickelt. Bis Mai liegt das Minus bei 11,4 Prozent, und das in einem Jahr, in dem Mitsubishi mit einem Plus von gut 20 Prozent kalkuliert hat.

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