Der MTU-Chef stellt Millionenforderungen an seinen ehemaligen Arbeitgeber Agiv
Udo Stark bittet zur Kasse

MTU-Chef Udo Stark ist sehr umtriebig: Zum einen bereitet Stark den Börsengang des Triebwerkherstellers vor. Zum anderen will er seine eigene private Kasse aufbessern und bei seinem früheren Arbeitgeber Agiv Real Estate kräftig abkassieren.

HAMBURG. Der Mann mit dem grau melierten Haar hat alle Hände voll zu tun. Sorgsam bereitet der Chef des größten deutschen Triebwerkherstellers MTU, Udo Stark, den Börsengang vor, damit möglichst viel Geld in die Kasse kommt.

Auch privat ist der Manager und ehemalige Vorstandschef von MG Technologies tätig, um seine eigene Kasse aufzubessern. Denn der 57-Jährige will bei seinem früheren Arbeitgeber, dem inzwischen insolventen Hamburger Immobilienkonzern Agiv Real Estate, kräftig abkassieren. „Udo Stark hat 120 Mill. Euro und seine Frau 40 Mill. Euro als Pensionsansprüche zur Insolvenztabelle angemeldet“, sagte der Agiv-Insolvenzverwalter Reinhard Titz dem Handelsblatt. Ein Agiv-Sprecher ergänzte, Pensionsansprüche „sind in der Regel durch eine Versicherung abgedeckt.“

Stark war 1991 zu der früheren Maschinenbaufirma Agiv gekommen und Ende März 2000 ausgeschieden. Der Vorstandschef hatte den Konzern – mit Rückendeckung des früheren Großaktionärs BHF-Bank – zerschlagen, weil das Firmenkonglomerat als Ganzes nicht verkäuflich war. Dafür kassierte er hohe Vorstandsbezüge und eine Abfindung von rund sechs Millionen Euro. Bei seinem Ausscheiden vereinbarte er zudem Pensionszahlungen von jährlich rund 237 000 Euro sowie eine Hinterbliebenenversorgung für seine Frau, heißt es aus Starks Umfeld und aus Agiv-Kreisen.

Starks Pensionsansprüche gingen auf die Agiv Real Estate über, als der Hamburger Immobilienkonzern HBAG die Frankfurter Agiv-Gruppe 2001 schluckte und sie umbenannte. Doch die neue Gesellschaft – einst einer der größten deutschen Immobilienkonzerne mit mehr als zwei Mrd. Euro Vermögen – geriet schnell ins Schlingern. Ende des Vorjahres meldete der Vorstand Insolvenz an. Seither erhielt der MTU-Chef von der Agiv keine Pensionszahlungen mehr. Pflichtgemäß meldet der Manager deshalb jetzt seine Ansprüche beim Insolvenzgericht an. Doch die hohe Forderung stößt bei Gläubigerbanken und ehemaligen Lieferanten auf Unverständnis. Hochgerechnet müsste der MTU-Chef mehrere hundert Jahre alt werden, um sie zu rechtfertigen, heißt es in Hamburger Finanzkreisen.

Udo Stark bestätigt, dass er – nicht aber seine Frau – gegen die Agiv Real Estate Ansprüche aus Alters- einschließlich Hinterbliebenenversorgung angemeldet habe. Er bestreitet aber die vom Insolvenzverwalter genannte Höhe. Diese liege „außerhalb eines vorstellbaren Rahmens“. Näheres will er nicht sagen. In seinem Umfeld heißt es lediglich, Stark stütze sich mit Forderungen von jeweils 40 Mill. Euro auf drei Rechtsgrundlagen. Diese könnten nicht addiert werden. Doch selbst bei einer Summe von 40 Mill. Euro müsste der Mann weit über 100 Jahre alt werden.

Heute hätte der Manager Gelegenheit, Licht ins Dunkel zu bringen: Er stellt die MTU-Bilanz vor.

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