Der Münchener Autobauer will sich auch künftig solo durchschlagen
Für BMW ist es einsam an der Spitze

Die deutsche Automobilindustie ist gerade in einem Selbstfindungsprozess. Die Konzerne loten aus, wer mit wem wie zusammenarbeiten könnte. Nur einer hält sich zurück: BMW, der erfolgreichste der großen vier. Experten zweifeln, ob die Verweigerungshaltung der Münchener gesund ist.

HB MÜNCHEN. Porsche ist neuer Großaktionär bei VW und einige Experten spekulieren, dass sich auch Daimler-Chrysler eines Tages dem Bündnis anschließen könnte. Eine Art einer Art deutsche Automobil-AG entstünde. Einer bliebe allerdings außen vor: BMW- Chef Helmut Panke verkündete am Donnerstag bei der Vorlage der - mäßigen - Quartalszahlen, dass der weiß- blaue Autobauer stark genug sei, um auch auf Dauer eigenständig bestehen zu können. „Wir werden den Weg aus eigener Kraft weiter gehen.“

Wegen der weltweiten Konsolidierung in der Autoindustrie sehen manche Experten die Gefahr, dass BMW eines Tages isoliert dastehen könnte. Zwar laufen derzeit die Geschäfte trotz eines Gewinnrückgangs im dritten Quartal insgesamt bestens. „In absehbarer Zeit wird BMW aber die Grenzen des Wachstums erreichen“, meint der frühere BMW-Chefvolkswirt und Konzernstratege Helmut Becker, der heute das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation führt. Zudem werde sich der Wettbewerb im bisher lukrativen Premium-Segment vor allem wegen der Ambitionen von Toyota mit seiner Luxusmarke Lexus noch verschärfen.

Auf den ersten Blick stehen die großen deutschen Anbieter derzeit nicht schlecht da. Volkswagen kommt bei der Sanierung voran und steigerte den Vorsteuergewinn im dritten Quartal von 126 auf 432 Millionen. Bei Daimler-Chrysler wuchs das operative Ergebnis um 38 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Beide Unternehmen konnten zudem ihren Absatz mit Hilfe neuer Modelle weltweit um jeweils neun Prozent steigern. Die Börse honoriert's mit steigenden Kursen. Nicht mal Daimlers Ankündigung am Donnerstag, im laufenden Jahr in Deutschland nur 315 000 Mercedes-Fahrzeuge statt 338 100 in 2004 verkaufen zu können, konnte die Stimmung trüben. Das Papier legte kräftig zu.

Bei BMW wuchs die Zahl der verkauften Autos um 15 Prozent. „BMW ist stark aufgestellt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen. „Man sieht keine Gewitterwolken, die BMW in Schwierigkeiten bringen könnten.“ Auch Experte Becker verweist auf eine starke Marke und gute innere Strukturen. Allerdings sei die Zeit der großen Wachstumsschübe durch die Kleinwagenmarke Mini und den Einstieg in die Kompaktklasse mit der 1er-Reihe vorbei. Die Produktpalette lasse sich nicht beliebig erweitern. Die Herausforderung sei es, in einem schwierigen Markt auch bei fehlendem Wachstum ertragsstark zu bleiben.

Dabei dürfte BMW aber in jedem Fall von seiner Eigentümerstruktur profitieren. Mit der Milliardärs-Familie Quandt als Großaktionär braucht der Münchner Konzern keine Übernahme zu befürchten. „Das garantiert Stabilität“, sagt Dudenhöffer. Vorstandschef Panke betonte, die Familie Quandt stehe unverändert zu ihrem Engagement. Im Rahmen der Eigenständigkeit von BMW sollten lediglich Kooperationen mit anderen Herstellern bei einzelnen Projekten ausgebaut werden, um Kostenvorteile zu nutzen. Ob lockere Bündnisse fürs Überleben reichen werden, wird sich zeigen. Die anderen deutschen Autobauer sind davon offenbar nicht überzeugt.

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