Der Niedergang der deutschen TV-Hersteller zeigt sich in den Fabrikhallen
Spielzeug statt Fernseher

Nach der Pleite des deutschen Unterhaltungsgeräte-Herstellers Grundig ist in seine Zentrale in Nürnberg mit der Vedes AG ein anderes Nürberger Traditionsunternehmen eingezogen. Das Schicksal von Grundig ist ein Spiegelbild der gesamten Fernsehgeräte-Branche in Deutschland.

NÜRNBERG. Hinter der Pforte, die mit ihrem mächtigen Dach über den Schranken aussieht wie ein Grenzübergang, wehen himmelblaue Fahnen sanft im Wind. Es sind die Farben der Vedes AG. Frisch und fröhlich kommt das Blau daher, gerade so beschwingt wie Kinder in einer der Filialen von Europas größtem Spielwarenhändler.

Es ist nicht lange her, da wurden die Flaggen an der klobigen Pforte in einem dunkleren Blau aufgezogen: Es war die Farbe der Grundig AG, des mächtigen deutschen Unterhaltungsgeräte-Herstellers. Vor vier Jahren hatte Grundig gleich neben seinen ausgedehnten Fabrikhallen in Nürnberg-Langwasser eine neue, luftige Unternehmenszentrale gebaut. Der damalige Konzernchef Herbert Bruch wollte mit dem Neubau nach schwierigen Jahren wieder an die glorreichen Zeiten nach dem Krieg anschließen.

Viel Zeit blieb Bruch nicht, im Mai 2001 musste er einem Sanierer weichen. Grundig selbst lebte freilich auch nicht mehr lange. Im Juni vergangenen Jahres kam die Pleite, der Insolvenzverwalter zerstückelte daraufhin die Traditionsfirma. In die ehemalige Zentrale zog mit Vedes vor drei Wochen ein anderes, alteingesessenes Nürnberger Unternehmen ein, dem sein eigener Stammsitz in der Sigmundstraße eine Nummer zu groß geworden war.

Das Kerngeschäft der Grundig AG mit ihren ehemals 40 000 Beschäftigten ist jetzt an den Rand gedrängt auf dem weitläufigen Gelände, die verbliebenen Beschäftigten arbeiten in einem alten Videorekorder-Werk. 170 Leute würden in Nürnberg jetzt noch für die Grundig Intermedia GmbH arbeiten, sagt der neue Geschäftsführer Hubert Roth. Die Grundig Intermedia ist jetzt für das Fernsehgeschäft verantwortlich und gehört einem britisch-türkischen Konsortium.

Das Schicksal von Grundig ist ein Spiegelbild der gesamten Fernsehgeräte-Branche in Deutschland. Einst eine weltweit geachtete, bedeutende Industrie, sind nur noch Reste davon übrig geblieben. So wie beim über 100 Jahre alten TV-Hersteller Schneider im schwäbischen Türkheim. Die mehrere Fußballfelder großen Fabrikhallen mit ihren silbernen Wänden gleich neben der Autobahn München-Lindau glänzen zwar immer noch wie zu den besten Zeiten der Firma. Doch im Inneren der bulligen Metallgebäude verlieren sich nur noch knapp 100 Mitarbeiter. Auf den Parkplätzen gähnende Leere.

Seite 1:

Spielzeug statt Fernseher

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%