Der Österreicher sonnt sich im Licht der Walter-Bau-Übernahme
Strabag-Chef Haselsteiner zimmert einen Baukonzern von Weltformat

Hans-Peter Haselsteiner hat sich ein dickes Fell zugelegt: Als Duzfreund des unberechenbaren Rechten Jörg Haider wurde er beschimpft. Als Größenwahnsinniger, der ausgerechnet in Österreich einen Baukonzern von Weltformat zusammenzimmern will.

WIEN. Als gescheiterter Hobbypolitiker, der mit seiner Partei, dem liberalen Forum, Österreich auf Trab bringen wollte, was allerdings misslang: Das Forum existiert nicht mehr. Wenn solche Bemerkungen kommen, pflegt Haselsteiner zu sagen: „Sie können versuchen, mir eine richtige Frage zu stellen. Ich werde dann entscheiden, ob ich sie beantworte.“

Gestern allerdings war der Baumeister aus Kärnten freundlicher gestimmt. Schwungvoll greift er nach dem Mikrofon im Foyer seines postmodernen Strabag-Towers in der Wiener Donau-City und verkündet seinen zweitgrößten Coup: Nachdem er 1998 in Deutschland auf Einkaufstour gegangen war und sich die Strabag in Köln einverleibte, kommt er jetzt wieder in Deutschland zum Zug und kauft einen Großteil der Firmen aus der Insolvenzmasse der Walter Bau AG. Darüber hinaus sichert er sich eine entscheidende Rolle beim Bauriesen Züblin, wo er als Minderheitsgesellschafter jetzt hofft, demnächst mehr kaufen zu können.

Angenehmer Nebeneffekt des Geschäfts, über das er gestern in Wien plauderte: Die Schlagzeilen stimmen. „Haselsteiner rettet mehr als 4 000 deutsche Arbeitsplätze“, texten schon mittags die Nachrichtenagenturen. Und auch seine Kollegen klatschen Beifall: Wolfgang Reithofer, Chef des größten österreichischen Baustoffkonzerns Wienerberger, hält die Lage der Branche in Deutschland für so miserabel, dass sie schlechter nicht werden kann. „Möglicherweise“, sagt er mit Blick auf den Strabag-Deal, „ist das ein guter Zeitpunkt, um einzusteigen.“

Ein Mann, der Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen lässt – das Attribut zumindest ist Haselsteiner garantiert. Als unehelicher Sohn einer Lehrerin aus Tirol studierte der heute 61jährige Ökonomie, wurde anschließend Steuerberater und lernte eine Bauunternehmerstochter aus Kärnten kennen. Die beiden heirateten und Haselsteiner übernahm nach dem Tod des Schwiegervaters die Leitung der Baufirma. Er taufte sie in Ibau um und kaufte 1977 das insolvente Kärtner Bauunternehmen Soravia.

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