0 Bewertungen
21.12.2007 
BMW streicht tausende Stellen, um Rendite zu steigern

„Der Speck muss weg“

Jahrelang hatte BMW stolz auf sein flexibles, "atmendes" Produktionssystem verwiesen. Während die Konkurrenz weltweit teils drastische Stellenstreichungen verkündete, hielt BMW die Zahl der Beschäftigten stabil und baute zeitweise vor allem im neuen Leipziger Werk sogar massiv Stellen auf. Jetzt erfolgt trotz Absatzrekorden die Kehrtwende.

BMW will die Produktivität steigern. Im Bild ein Mitarbeiter im Werk Dingolfing. Foto: dpaLupe

BMW will die Produktivität steigern. Im Bild ein Mitarbeiter im Werk Dingolfing. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Der Münchner Autobauer hat am Freitag angekündigt, mehrere tausend Stellen zu streichen, um seine Rendite zu verbessern und im scharfen Wettbewerb auf den weltweiten Automärkten mitzuhalten. BMW will dabei auch die Zahl seiner festen Mitarbeiter verringern.

"Offenbar hat man in den vergangenen Jahren, als es erfolgreich lief, Speck angesetzt", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschafts-Professor an der FH Gelsenkirchen. Noch Anfang Oktober hatte Konzernchef Norbert Reithofer im Gespräch mit dem Handelsblatt betont: "Die Arbeitsplätze in Deutschland sind trotz Effizienzprogramm auch in den nächsten Jahren sicher. Unsere Fabriken sind zu 100 Prozent ausgelastet und arbeiten wie ein Uhrwerk."

Betriebsbedingte Kündigungen in der Stammbelegschaft schloss der Konzern aus. Ein Unternehmenssprecher erklärte am Freitag, dass der Arbeitsplatzabbau vor allem Zeitarbeitsverträge betreffen solle. Die IG Metall nannte den Arbeitsplatzabbau in dieser großen Zahl überraschend. "Wir werden im nächsten Jahr mit mehreren Tausend Stellen weniger als in diesem Jahr die gleiche Leistung erbringen", sagte BMW -Personalvorstand Ernst Baumann am Freitag.

"Die Maßnahmen sind Teil der vom Vorstand beschlossenen strategischen Neuausrichtung mit dem Ziel einer nachhaltigen Profitabilitäts-Steigerung", sagte BMW -Sprecher Mathias Schmidt. Die Produktivität soll um zehn Prozent pro Jahr wachsen. Die vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" genannte Zahl von 8 000 wegfallenden Stellen, die in Branchenkreisen als "nicht unplausibel" bezeichnet wurde, wollte er nicht bestätigen. "Ein genaue Zahl können wir nicht nennen, es entspricht jedoch einem Abbau mehrerer tausend Stellen."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen

In erster Linie seien Zeitarbeiter betroffen, deren Verträge einfach auslaufen sollen. Die Stammbelegschaft solle vor allem durch Altersteilzeit und die durch Nichtbesetzen frei werdender Stellen reduziert werden. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir ausschließen", fügte er hinzu. Der "Spiegel" berichtete, auch bei den festen Mitarbeitern sollen mehrere tausend Stellen wegfallen.

Wo genau die Arbeitsplätze gestrichen werden, blieb ebenfalls offen. Besonders viele Zeitarbeiter gibt es im Leipziger Werk, wo auf rund 2 500 Stammmitarbeiter rund 1 200 Zeitarbeiter kommen. Insgesamt arbeiten bei BMW weniger als 10 000 Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen.

Die IG Metall äußerte sich zurückhaltend über den Stellenabbau. "Uns überrascht sowohl die Größenordnung, als auch der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Arbeitsplatzabbaus", sagte der bayerische IG-Metall-Sprecher Matthias Jena. Die Tatsache, dass der Anteil der Leiharbeiter reduziert werden solle, sei intern bereits seit Mai bekannt. Ein Grund seien Produktionsumstellungen beim Bau der 7er Reihe.

Dass BMW betriebsbedingte Kündigungen ausschließe, nannte die Gewerkschaft eine Selbstverständlichkeit. "Wir haben mit BMW eine vertragliche Beschäftigungszusicherung bis 2014", betonte er. Zudem sei vereinbart, die gesetzlich 2009 auslaufende Altersteilzeit betriebsintern weiterlaufen zu lassen. "Da nimmt BMW richtig viel Geld in die Hand", sagte der Sprecher. Die IG-Metall gehe davon aus, dass die Beschäftigtenzahl bei BMW mittel- und langfristig steigen werde. "Anders können die ehrgeizigen Produktionsziele in der Zukunft gar nicht erreicht werden."

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein kündigte Gespräche mit der Konzernführung an. Die Linkspartei kritisierte die BMW -Pläne als "schamlose Renditejagd auf Kosten der Beschäftigten".

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Münchener Autobauer als Tagesgewinner an der Börse

Im Dax legte die BMW -Aktie nach Bekanntgabe der Nachricht als Tagesgewinner um über vier Prozent zu. Allerdings war der Autobauer an der Börse in den vergangenen Monaten wiederholt Druck geraten: Der Zuwachs beim Gewinn hinkt seit langem deutlich hinter dem kräftigen Umsatzwachstum her, weshalb sich die Rendite immer weiter verschlechterte.

Im dritten Quartal stieg der Umsatz nach Rekordverkaufszahlen um über 19 Prozent auf 13,8 Mrd. Euro, der Vorsteuergewinn kletterte aber "nur" um 6,3 Prozent auf 765 Mill. Euro. Zu leiden hat der stark vom Export abhängige Hersteller vor allem unter dem schwachen Dollar und hohen Rohstoffpreisen.

BMW -Chef Norbert Reithofer kündigte deshalb im September eine "strategische Neuausrichtung" an. "Wir richten die BMW -Group konsequent auf Profitabilität und langfristige Wertsteigerung aus", sagte er damals und deutete aber an, auf einen groß angelegten Arbeitsplatzabbau verzichten zu wollen. Bis 2012 will Reithofer die Kosten um rund sechs Mrd. Euro senken und so bei den Margen im Autogeschäft zur Konkurrenz aufschließen.

Den Münchnern macht vor allem der schwache US-Dollar zu schaffen. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Absatzmarkt von BMW. Etwa jedes fünfte Fahrzeug des Konzerns rollt auf den US-Markt. Durch den Höhenflug des Euro wird das Geschäft zunehmend unrentabler. Da der Großteil der Produktion in Deutschland erfolgt, bekommt BMW die Folgen des schwachen Dollar besonders stark zu spüren.

BMW ist der letzte der drei großen deutschen Auto-Hersteller, der ein Personalabbauprogramm zur Gewinnsteigerung vollzieht. Volkswagen strich 20 000 Stellen, die Mercedes-Gruppe baute über Abfindungen und Frühpensionierungen 9 700 Arbeitsplätze ab, 1 200 mehr als ursprünglich geplant.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Herbert Walter: Der Hyper-Perfektionist  Artikel in Merkliste

Herbert Walter hat mit unermüdlicher Arbeit die Dresdner Bank vor dem Kollaps gerettet – doch am Ende hat das wohl nicht gereicht, um aus der Bank eine Erfolgsstory für die Allianz zu machen. Mit dem mittlerweile fast sicheren Verkauf des Instituts an die Commerzbank steht ihm die größte Niederlage seines Lebens bevor. Artikel


Anzeige