Der Umsatz mit klassischer Werbung sinkt
Werbegruppe BBDO will kreativer werden

Deutschlands größte Agenturgruppe BBDO soll künftig nicht nur in puncto Umsatz, sondern auch in Sachen Kreativität ganz vorne in der deutschen Agenturlandschaft mitspielen. Das betonen die neuen BBDO-Chefs Hubertus von Lobenstein und André Kemper im Gespräch mit dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF.Kreativität hilft Agenturen, mehr Kunden und damit mehr Wachstum und Profit zu erwirtschaften. Die Messlatte für BBDO liegt hoch: Die US-Mutter der Agentur, die Werbeholding Omnicom, hat in den ersten neun Monaten eine Gewinnmarge vor Steuern von 12,5 % erzielt, der Umsatz legte um knapp 13 % zu.

Angesichts des schwachen Werbemarktes dürfte bei der Düsseldorfer Agentur schon ein kleines Plus als Erfolg gelten. Hubertus von Lobenstein will sich zwar nicht über Zahlen äußern, geht aber davon aus, dass 2003 zumindest „ordentlich“ wird.

Im letzten Jahr ist BBDO in Deutschland zwar noch um beachtliche 5 % gewachsen, allerdings vor allem in den Bereichen Beratung, Dialogmarketing und Customer Relationship Marketing. Die klassische Werbung verlor 14 % ihres Umsatzes. Um in diesem Bereich wieder Anschluss zu finden, hat der noch amtierende CEO Rainer Zimmermann Lobenstein und Kemper von den Kreativ-Schmieden Saatchi & Saatchi und Springer & Jacoby nach Düsseldorf geholt. Sie sollen für Kreativität sorgen und das Profil der Marke BBDO schärfen.

Ab April werden Lobenstein und Kemper operativ für die deutsche Gruppe verantwortlich sein. Im Moment verbringen sie den Großteil ihrer Zeit damit, das Geschäft der klassischen Werbeagentur wieder anzukurbeln.

Das trägt aktuell rund 18 % zum Umsatz der Gruppe bei. Noch vor dem Amtsantritt der beiden hatten sich in der ersten Jahreshälfte wichtige Werbekunden wie Warsteiner, Aral und E-Plus verabschiedet. Kemper und Lobenstein wollen nun dafür sorgen, dass neben der Kompezenz für Strategie und Marken wieder eine „Kultur für große Einfälle“ in die Agentur einzieht. Kreativität sei auch das Gebot von Kundenseite. „Kunden erhöhen den Kreativdruck spürbar“, sagt Kemper.

Kein Auskunft über Entlassungen

Um das Klima dafür zu schaffen, haben sie Berater und Kreative in kleinen Teams zusammengefasst und eine zusätzliche kreative Einsatztruppe in Hamburg gegründet. Dabei gilt laut Kemper, dass die Düsseldorfer Agentur das Herz der Gruppe bleibt. „Trotzdem freuen wir uns über jedes weitere Top-Talent – und die gibt es in Hamburg reichlich.“

Viel Unruhe haben die beiden in das BBDO-Gebilde gebracht, ist aus der Agentur und in der Branche zu hören. Wie viele Mitarbeiter in diesen Jahr entlassen wurden, darüber will Lobenstein keine Auskunft geben. Unruhe hält er sogar für positive Energie: „Die brauchen wir, um der Marke BBDO die Exzellenz zurückzugeben, die ihr gehört.“

Im Markt versucht BBDO derzeit massiv, Werbekunden zu gewinnen. Laut Lobenstein ist die Agentur bei den meisten Wettbewerbspräsentationen vertreten. Dass die Agentur dabei die Preise drückt, wie manch Mitbewerber beklagt, dementieren Kemper und Lobenstein unisonso: „Unsere Preise sind marktüblich.“

Erste Erfolge bei der Kundenakquise kann BBDO Campaign - wie die klassische Werbeagentur jetzt heißt – bereits melden: So wurde der Etat von Siemens Business Service gewonnen, für Kaufhof macht die Agentur die neue TV-Kampagne. Aber kreativer Aufbruch braucht Zeit: „Ende nächsten Jahres“, sagt Lobenstein, „wollen wir uns messen lassen. Was nicht heißt, dass der Job dann getan ist.“

An Umsatzzahlen wird die Arbeit von Lobenstein und Kemper dann aber nicht mehr zu messen sein. Denn gemäß den neuen Börsenregeln hat die Werbeholding Omnium ihren Töchtern untersagt, Zahlen zu veröffentlichen. Umso wichtiger für die Außenwirkung wird also ein Aufstieg in den Hitlisten für kreative und effiziente Werbung sein.

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