Der Unternehmensberater Song Xinyu sieht die Firmenkäufe seiner Landsleute im Ausland kritisch
Interview: "Die Chinesen verheben sich am Westen"

Song Xinyu, ein bekannter Unternehmensberater in China, sieht vom Reich der Mitte keine Gefahren für die westliche Welt ausgehen. Eher umgekehrt. Der 43-Jährige kennt beide Kulturen sehr gut. Er hat in Köln BWL studiert und danach bei der Deutschen Bank und bei Roland Berger gearbeitet. 1999 gründete er seine Beratungsfirma I-Zhong.

Warum drängt es chinesischen Firmen momentan so massiv ins Ausland?

Einmal haben viele unserer Konzerne daheim schon den Markt erobert. Der Mikrowellen-Hersteller Galanz zum Beispiel hat in China einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Da gibt es nicht mehr viel Wachstumsmöglichleiten. Weitere Gründe sind Technologie, Ressourcen und natürlich die großen Markennamen

Werden die Firmen nicht von der chinesischen Regierung gedrängt?

Natürlich hat auch die Regierung ein Interesse, dass chinesische Unternehmen diesen Schritt in de Welt tun. Aber ich glaube zum Beispiel bei CNOOC, also im Energiebereich, ist es auch im Eigeninteresse der chinesischen Konzerne, da sie nur beschränkte Vorkommen haben.

Sie sehen die Käufe von Lenovo und Haier kritisch. Warum?

Beide haben einen hohen Preis bezahlt. Ich bezweifle die Finanzkraft von Haier, dass man Maytag übernehmen kann. Trotz der Finanzpartner sehe ich das sehr kritisch.

Und bei Lenovo?

Hier schluckt eine Schlange einen Elefanten. Und ich bezweifele die Fähigkeit der chinesischen Manager, die beiden sehr unterschiedlichen Kulturen zusammen zu bringen. Nicht nur sprachlich, sondern auch psychologisch. Man ist nun mal gewohnt, dass Amerikaner und Europäer Chinesen kaufen - und nicht umgekehrt. Oder glauben Sie, dass sich ein IBM-Manager von einem Chinesen etwas sagen lassen wird?

Chinesische Autobauer wie Geely oder Cherry wollen ohne Übernahmen die Welt erobern und erstmal exportieren. Ist das der bessere Weg?

Auf jeden Fall. Sie sammeln so erst einmal Erfahrung und riskieren nicht so viel Geld.

Müssen europäische und US-Marken nun vor den Chinesen zittern?

Nein, auf keinen Fall. China ist als Wirtschaftsmacht zwar sehr groß geworden, die Unternehmen sind aber im Vergleich zu europäischen oder amerikanischen Firmen noch immer sehr klein. Haier erreicht gerade mal die Untergrenze der Top-500, Lenovo ist noch viel kleiner. Auch wenn es zur Zeit spektakuläre Einkäufe und Gebote gibt, im Allgemeinen haben chinesische Firmen nicht die Finanz- und schon gar nicht die Managementkapazität.

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