Der weltgrößte Chemiekonzern beurteilt Produkte und Verfahren ökonomisch und ökologisch
Ökoeffizienz bringt BASF einen guten Ruf

Schmutzige Gewässer, verseuchte Böden, Allergien bei Kindern – in den 90ern standen Chemieunternehmen unter großem öffentlichem Druck. Sie mussten handeln. BASF bat 1995 die Beratungsagentur Roland Berger um Hilfe. Sie kam auf die zündende Idee: Produkte und Prozesse nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach ökologischen Kriterien beurteilen, den Lebenszyklus berücksichtigen und erst dann entscheiden.

LUDWIGSHAFEN. Der Konzern entwickelte dafür die „Ökoeffizenz“-Analyse, die existierende Produkt- und Verfahrensalternativen vergleicht. Fast vier Jahre lang wurde sie getestet, bevor das Unternehmen sie bekannt gab. „Wir wollten erst sicher gehen, dass sie funktioniert“, sagt Andreas Kicherer, Leiter der Abteilung Ökoeffizienz. Der damalige Vorstandschef Jürgen Strube habe eine glaubwürdige, zukunftsfähige Lösung verlangt.

„BASF war mit Abstand das erste Unternehmen mit einem solchen Konzept. Es ist sehr gut aufbereitet“, urteilt Rainer Grießhammer vom Öko-Institut in Freiburg, der 50 inzwischen existierende, ähnliche Methoden unter die Lupe genommen hat. Bayer und andere Konzerne folgten den Ludwigshafenern.

Kicherers Ziel ist, die wichtigsten Produkte und Prozesse auf möglichst wirtschaftliche Art möglichst umweltverträglich zu bekommen. Das ist bei 8000 Produkten nicht auf einen Schlag möglich. Daher gibt es zentrale Vorgaben. Jeder Produktbereich muss alle vier Jahre eine mittelfristige Strategie und eine Ökoeffizienz-Analyse vorlegen. „Wird keine Analyse gemacht, ist das zu begründen.“ Inzwischen haben 90% aller hundert Produktbereiche mindestens eine Analyse für wichtige Anwendungen gemacht.

Der zweite Hebel sind Kriterien dafür, bei welchen Investitionsentscheidungen eine Ökoeffizienz-Analyse zu machen ist. Bedingung ist sie für neue Produkte und Verfahren, für das es auf dem Markt eine Alternative gibt. Kicherers Abteilung weiß, wo Entscheidungen anstehen, und kann die Initiative ergreifen. Der Hersteller wählt die jeweils ökoeffizenteste Lösung aus und orientiert daran Forschung, Entwicklung, Produkt- und Verfahrens-, strategische und Standortentscheidungen.

Die frühe Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit brachte wirtschaftliche Erfolge. Ein Beispiel: Der Weltmarktführer bei der Färbefarbe für Jeans „Indigo“ kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Anwendung von Pflanzen zur Herstellung der Farbe nicht umweltfreundlich und überdies zu teuer ist. Und dass Biotechnik keinen Ökoeffizenzgewinn bringt.

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