Deripaska trennt sich von Magna-Anteil
Milliardär mit Engpässen

Die Finanzkrise hat zunehmend auch Russlands Superreiche im Griff: Oleg Deripaska, den das US-Magazin Forbes in diesem Jahr mit einem Vermögen von 28,6 Mrd. Dollar zum reichsten Russen gekürt hatte, muss jetzt seine Beteiligung am kanadischen Autozulieferer Magna abgeben.

HB MOSKAU. Eine der Banken, die das 1,54 Mrd. Dollar teure Geschäft finanziert hatte, verlangt nun ihren Kredit zurück, nachdem der Wert des Anteils im Zuge der Börsenkrise gefallen war. Deripaska, der seine 20-Prozent-Beteiliung bei Magna vor allem dazu nutzen wollte, die Modernisierung der veralteten russischen Autoindustrie voran zu treiben, in der er sich stark engagiert, hatte sich wiederholt gegen das Forbes-Ranking mit dem Hinweis gewehrt, dass dies nicht die Verbindlichkeiten seiner Holding Basic Element mit einkalkuliere.

Im Zuge des Absturzes der russischen Börsen um mehr als die Hälfte ihres Stands seit Sommer waren in russischen Medien immer wieder Gerüchte über Finanzierungsschwierigkeiten bei Basic Element aufgetaucht. Der Konzern, der nicht börsennotiert ist, war in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Der Einstieg bei Magna gehört zu den größten Auslandsinvestitionen Deripaskas. Darüber, welche Bank nun ihre Rechte eingefordert hat, machten die Beteiligten keine Angaben. Als das Geschäft im Mai 2007 abgeschlossen wurde, hatte Basic Element erklärt, BNP Paribas habe einen Großteil der Finanzierung übernommen.

Ein Sprecher von Basic Element betonte allerdings, dass der Konzern weiter Projekte mit Magna verfolgen werde. Das Unternehmen sei aber dabei, derzeit sein Investitionsportfolio unter den Bedingungen der Finanzkrise zu "optimieren". "Wir können unsere finanziellen Verpflichtungen erfüllen", versicherte der Sprecher.

Für Deripaska, der auch eine Beteiligung bei den Baukonzernen Strabag und Hochtief hält, dürfte Magna aber nicht die einzige Problemzone sein. Im Frühjahr war der Milliardär, zu dessen Firmenimperium auch der Alukonzern Rusal gehört, beim weltgrößten Nickel-Produzenten Norilsk Nickel eingestiegen. Sein Ziel: Den Bergbaukonzern mit Rusal zu verschmelzen. Die Aluschmiede hatte dafür ein Darlehen von 4,5 Mrd. Dollar aufgenommen. Russische Medien berichten, Rusal sei nun in schwierigen Gesprächen mit den Kreditgebern. Auch die Finanztochter von Basic Element ringe um Liquidität. Eine Sprecherin von Rusal erklärte allerdings, es gebe keine Probleme mit den Banken.

Insgesamt hatte Deripaska für ein Paket von 25 Prozent plus eine Aktie rund 15 Mrd. Dollar an den damaligen Norilsk-Großaktionär Michail Prochorow bezahlt. Seitdem ist die Norilsk-Aktie aber um 60 Prozent abgestürzt. Im laufenden Kampf um die Vorherrschaft bei dem Bergbaukonzern, bei dem sich Deripaska und der Oligarch Wladimir Potanin gegenüberstehen, bekommt der Alu-Magnat damit zunehmend ins Hintertreffen.

Doch auch Potanin dürfte derzeit Liquiditäts-Schwierigkeiten haben: Der Milliardär hatte schon vor dem Höhepunkt der Krise öffentlich beklagt, dass russische Unternehmen zunehmend Probleme mit dem Zugang zu Finanzierungen hätten. Seine Bausparte Rosa Khutor erhielt wenig später 750 Mill. Dollar von der staatlichen Entwicklungsbank VEB, um ein Projekt für die Olympischen Spiele in Sotschi stemmen zu können. Russlands Regierungschef Wladimir Putin kündigte in der vergangenen Woche an, der VEB 45 Mrd. Dollar zur Verfügung zu stellen, die wiederum russischen Unternehmen mit Liquiditätsschwierigkeiten zu Gute kommen sollen.

"Auch in Russland haben wir eine gewaltige Vertrauenskrise", sagt ein hochrangiger europäischer Bankmanager in Moskau. Niemand verleihe mehr Geld. Da der Finanzmarkt im Land vergleichsweise unterentwickelt ist und von drei großen Staatsbanken beherrscht wird, haben sich die rasch expandierenden russischen Unternehmen und ihre Milliarden-schweren Eigentümer vor allem über den internationalen Kapitalmarkt finanziert. "Fast alle haben derzeit Probleme", so der Banker.

Besonders hart hat es bereits die russische Bauwirtschaft getroffen: Große Immobilienentwickler wie die Mirax-Gruppe haben zum Teil Bauarbeiten eingestellt und Projekte auf Eis gelegt. Auch Basic Element ist stark ins Immobilien- und Baugeschäft involviert. Über Finanzierungsprobleme wollen Analysten derzeit aber nicht spekulieren, der Konzern ist vor allem auch in große staatliche Projekte in Sotschi und St. Petersburg eingebunden. Der Baukonzern Strabag, an dem Deripaska 30 Prozent hält, gab am Freitag bekannt, der Milliardär habe klar gemacht, dass er nicht verkaufen wolle.

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