Desaster bei Airbus A380
Forgeard klebt an seinem Chefposten bei EADS

Der französische EADS-Chef Noel Forgeard denkt trotz der Lieferverzögerungen beim Airbus A380 und problematischer eigener Aktiengeschäfte nicht an einen Rücktritt. Das hat er während einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des französischen Parlaments deutlich gemacht. Er sieht sich als „kompetent und anständig“. Aktionäre und Politiker denken da offenbar anders.

HB PARIS. Forgeard sehe auf Grund seiner Vergangenheit und der Leistungen, die er in Zukunft erbringen könnte, keine Veranlassung für einen Rücktritt, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Pierre Mehaignerie, am Mittwoch. Forgeard hatte zuvor dem Parlament Auskunft zur Lieferverzögerung beim Airbus A380 geben. Die Befragung des Finanzausschusses fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Von der früheren Justizministerin Marylise Lebranchu gefragt, ob er nicht „im Interesse von EADS“ zurückzutreten erwäge, sagte Forgeard nach den Angaben: „Ich bin kompetent und anständig. Das kommt nicht in Frage.“

Forgeard selbst ist wegen der Ausübung von Aktienoptionen ein paar Monate vor Bekanntgabe der Lieferverzögerungen des A380 unter Druck gekommen. Der Vorwurf des Insiderhandels war laut geworden. Forgeard beteuerte jedoch, er habe zum Zeitpunkt des Geschäfts nichts von den Problemen beim Riesen-Airbus gewusst. Forgeard hatte bei dem Aktiengeschäft 2,5 Mill. Euro verdient.

Daimler-Chrysler-Chef Zetsche will Forgeard offenbar loswerden

Am Dienstag hatte der französische Finanzminister Thierry Breton mitgeteilt, die Veränderungen der Managementstrukturen beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS stünden kurz vor dem Abschluss und würden demnächst von den Anteilseignern Daimler-Chrysler und der Lagardère-Gruppe bekannt gegeben. Im Gespräch ist, die Doppelspitze aus einem Deutschen und einem Franzosen abzuschaffen.

Eine der in Frankreich regierenden Partei UMP nahe stehende Person sagte: „Die Deutschen wollen, dass er (Forgeard) so schnell wie möglich geht. Das erscheint nicht unwahrscheinlich.“ Der deutsche EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler fordert einem Zeitungsbericht zufolge eine rasche Lösung der Krise bei dem Konzern. „Änderungen sind notwendig“, sagte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche dem „Wall Street Journal“ (Mittwochausgabe). Ob auch Veränderungen im EADS-Vorstand nötig seien, darüber sollten sich die Eigner in den kommenden Wochen verständigen, sagte Zetsche.

Die französische Zeitung „Les Echos“ berichtete, dass Daimler-Chrysler, den Rücktritt Forgeards gefordert habe und der andere industrielle Anteilseigner, Lagardere, diesem Schritt im Prinzip zustimme. Die beiden Seiten hätten sich aber nicht auf einen Nachfolger einigen können.

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