Desaster um A380
Schlammschlacht bei Airbus

Das Desaster um die verspätete Auslieferung des A380 hat Airbus und den Mutterkonzern EADS in eine schwere Krise gestürzt. Die Großaktionäre – darunter Daimler-Chrysler – sind mehr als verärgert. Einer fordert sogar eine Sonderuntersuchung. Die Führungsriege beim Luft- und Raumfahrtkonzern muss bangen, zumal Aktionärsschützer kriminelle Energie vermuten.

fas/ali/ben/dih PARIS/LONDON. Großaktionär Arnaud Lagardère, der gleichzeitig EADS-Aufsichtratschef ist, kündigte im Interview mit der Zeitung „Le Monde“ eine unabhängige Sonderuntersuchung an, die Versäumnisse des Airbus-Managements klären soll. „Die entscheidende Frage ist, ob der Airbus-Chef über die interne Situation informiert war“, sagte Lagardère. Allerdings richtet sich seine Kritik nicht nur gegen den amtierenden Airbus-Chef Gustav Humbert, sondern auch gegen dessen Vorgänger und jetzigen EADS-Co-Chef Noël Forgeard, über dessen Zukunft sich Lagardère auffallend ausweichend äußerte.

Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat turbulente Tage hinter sich. Am Dienstagabend schockte das Unternehmen die Märkte mit der Mitteilung, dass sich die Produktion des Großraumflugzeugs A380 um mindestens sechs bis sieben Monate verzögern werde. Die EADS-Aktie brach zeitweise um ein Drittel ein, der Konzernwert verringerte sich um fünf Mrd. Euro. Gestern konnte die Aktie dann einen kleinen Teil der Verluste wieder aufholen. Mehrere Fluggesellschaften kündigten Schadensersatzforderungen an. Airbus hat derzeit 159 feste Bestellungen für das Flugzeug von 16 Kunden. Die verminderte Produktion wird das EADS-Ergebnis bis 2010 mit 2 Mrd. Euro belasten.

Lagardère kündigte an, sich mit dem zweiten Großaktionär, dem Autokonzern Daimler-Chrysler, zu beraten. Beide seien von der Situation bei Airbus „sehr überrascht worden“, sagte der französische Industrielle. Noch im Mai habe Airbus-Chef Humbert der EADS-Führung signalisiert, es gebe keine Probleme bei der A380. Auch ein Daimler-Sprecher betonte, dass die deutsche Seite von den Problemen nichts gewusst hätte. Bei Airbus klingt das indes anders: „Mitte April gab es erste Anzeichen für neue Probleme, die zu möglichen Verzögerungen bei der Auslieferung führen könnten“, sagte ein Airbus-Sprecher. Humbert habe daraufhin sofort eine Untersuchung eingeleitet, über die Vorgänge sei auch das Aktionärskomitee von Airbus informiert worden.

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