Desertec
Solarstrom: Saubere Lösung aus Afrika?

Die Vision ist bestechend: Solarstrom aus der Wüste für Europa. Deutsche Konzerne gründen am Montag eine Initiative, um das zu realisieren. Riesige Kollektoren sollen in Afrika Sonnenenergie einsammeln, damit Europa schon in zehn bis 15 Jahren einen Teil seines Strombedarfs daraus decken kann - langfristig sollen es rund 15 Prozent sein. Doch die Hürden sind hoch.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Solartechnikfirmen reiben sich bereits die Hände, Politiker jubeln, und Greenpeace spricht schon von einem Jobmotor. Aber ist das auch realistisch? Insbesondere die Versorger warnen vor übertriebenen Erwartungen. Hinter den Kulissen sorgt die Initiative sogar schon für Differenzen.

Zu den Fakten: Am Montag werden sich auf Einladung der Münchener Rück ein Dutzend Unternehmen sowie Staatssekretäre aus verschiedenen Bundesressorts und sogar eine Energie-Expertin der Arabischen Liga in der bayerischen Landeshauptstadt treffen. Unter anderem beteiligen sich der Infrastrukturkonzern Siemens, der Kraftwerksbauer ABB, die Deutsche Bank sowie die Versorger RWE und Eon. Dabei soll formell die "Desertec Industrial Initiative" gegründet werden. Neben einer Grundsatzvereinbarung wird auch eine Projektgesellschaft beschlossen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren die Machbarkeit prüfen soll. Und geht es nach der Münchener Rück, soll das Projekt schnell wachsen - vor allem um Partner aus dem Ausland. "Es ist das Ziel, sich auch für andere zu öffnen", sagt ein Sprecher. Es handle sich um ein internationales, kein deutsches Projekt. Schon am Montag ist je ein spanisches und ein algerisches Unternehmen dabei.

Aber ist die Veranstaltung der Auftakt zu einem milliardenschweren Investitionsprojekt - oder in erster Linie PR? Darüber sind sich offenbar selbst die Beteiligten nicht einig. "Zukünftig Strom in Solarkraftwerken in der Wüste zu erzeugen und mit ultraeffizienten Verbindungen nach Europa zu übertragen, das ist genau unsere Kragenweite", sagt Siemens-Chef Peter Löscher, der zurzeit den Konzern als "grünen Infrastrukturgiganten" vermarktet. Löscher zieht bei dem Wüstenprojekt schon große historische Vergleiche herbei. So habe Siemens 1855 das "Mammutprojekt in der Geschichte der Nachrichtentechnik" realisiert - nämlich die 10 000 Kilometer lange Telegrafenlinie von Finnland bis auf die Krim. Rund 20 Jahre später habe Siemens dann Amerika und Europa mit dem Transatlantikkabel verbunden.

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