Industrie
Design-Kritik

Bewertet man die ersten Fotos, dann wird es ein Kampf unter Gleichen sein. Golf und Astra sind sich so ähnlich wie nie zuvor.

Zwar ist der fünfte Golf in seiner sparsamen Gestaltung unverkennbar VW und der dritte Astra in der straffen Linienführung deutlich Opel. Beide sind allerdings sportlich und dynamisch geworden: „Ausgewogene Proportionen, kraftvoll ansteigende Schultern, starke Keilform, ausgeprägte Radläufe, markantes Gesicht, akzentuiertes Emblem und Klarglas-Frontscheinwerfer.“ Das Zitat kommt von Opel, passt aber genauso gut zu VW. Offensichtlich unterliegt dem Design ein identisches Briefing.

Gut gestaltet sind beide. Eine Image-Differenzierung, auch gegenüber dem Wettbewerb, erreicht das Design nicht: Sportlichkeit und Dynamik gehören heute in der Automobilwelt zum Mainstream. Ein zusätzliches Problem für Volkswagen: der Golf mit serienmäßigen GTI-Look kommt Audi und Seat zu nahe, um Kannibalisierungseffekte auszuschließen.

Die gemeinsame Devise lautet: Kompaktklasse adieu! Nahezu identisch dimensioniert, sind Golf und Astra größer geworden und übertreffen mittlerweile sogar den ersten Passat. Technik und Ausstattungen sind ebenfalls auf Oberklasseniveau. Die Innenraumgestaltung bleibt noch geheim: In diesem Bereich könnte Opel wieder mit einem innovativen, flexiblen Raumkonzept überraschen, der Golf will vor allem mehr Raum und noch bessere Sitze als der Vorgänger bieten.

Was wird für den Kauf entscheidend sein? Neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem die Glaubwürdigkeit der Marke. Der Astra profitiert vom Opel-Aufschwung und von der frischeren Rolle als Herausforderer. Der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger ist jedenfalls spürbar. Ein nobleres Image und die Ausstrahlung von Phaeton und Touareg lassen den VW glänzen.

Trotzdem gibt der Golf ein wenig von seinem eigenständigen Profil auf. Beide Basismodelle verlieren sowieso langsam an Bedeutung: Erst wenn die immer wichtigeren Modellvarianten – vor allem Kombi und Cabrio – auf den Markt kommen, wird man wissen, wer der Sieger ist.

Der Autor, Paolo Tumminelli, ist Professor für Design an der FH Köln.

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