Design vom Autobauer
PS auf dem Laufsteg

Autos alleine reichen nicht mehr. Weltweit errichten die Autokonzerne ganze Markenwelten um ihre Produkte. Das Geschäft mit dem Design wird immer lukrativer, doch es birgt Gefahren.
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DüsseldorfNormalerweise baut Bugatti edle Sportwagen wie den Veyron. 1200 PS, 431 Kilometer pro Stunde, Neupreis: 1,16 Millionen Euro. Extremer Luxus, den sich die wenigsten leisten können. Nun soll die VW-Nobeltochter aus Molsheim im Elsass auch die Laufstege erobern. „Wir wollen eine ganze Welt um Bugatti herum schaffen“, sagt Wolfgang Schreiber, Vorsitzender der Geschäftsführung. Zu diesem Zweck bringt die VW-Nobeltochter zwei Modelinien für Bekleidung und Accessoires auf den Markt, die auf die klingenden Namen „Ettore Bugatti“ und „Extreme Performance“ hören. Premiere feierten diese im Rahmen der Mailänder Modewoche. In den kommenden fünf Jahren will Bugatti weltweit 35 neue, exklusive Boutiquen eröffnen, auch in Luxuswarenhäusern soll die Marke Einzug halten. 

Damit startet Bugatti in ein Geschäft, das für viele Premiumautomarken längst zum zum lukrativen Nebenverdienst geworden ist. Insbesondere im Luxussegment gibt es kaum eine Marke ohne Lizenzprodukte: Lamborghini verkauft eigene Möbel, Aston Martin eine Silberkollektion, Rolls-Royce eine Krawattenlinie. Als Vorreiter im Markt gilt Porsche Design. Allein 2012 konnte die Porsche-Tochter 116,2 Millionen Euro umsetzen - 45 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dass Porsche heute zu den Marktführern gehört, ist eine Ironie der Geschichte. Denn eigentlich hatte der Autobauer mit der eigenen Designmarke anfangs nur den Namen gemein. Als Ferdinand Alexander (F.A.) Porsche, Chefdesigner des legendären Modells 911, den Sportwagenbauer im Jahr 1972 auf Beschluss der Familie verlassen musste, gründete er sein eigenes Designbüro. Seine Vision: die zeitlosen Entwürfe des Autobauers auf Alltagsgegenstände übertragen.  

Sein erstes Werk, ein schwarzer Chronograf, ist heute ein Klassiker. Trotz der Namensgleichheit arbeiteten die Designer jahrzehntelang unabhängig vom Autobauer - und gewannen über 170 Auszeichnungen. Erst 2003, als F.A. Porsche aus dem operativen Geschäft ausschied, kehrte Porsche Design zurück in den Konzern. Seitdem wächst die Konzerntochter rasant. Von fünf Läden im Jahr 2003 ist das Unternehmen auf weltweit 130 Stores angewachsen, 32 betreibt das Unternehmen selbst.

Obwohl der Autobauer nun zwei Drittel der Anteile hält, sind die Schnittmengen der Unternehmen überschaubar. 80 Prozent aller Kunden von Porsche Design fahren keinen Porsche. Das Geschäft mit der eigenen Marke im Luxussegment eröffnet dem Autobauer damit völlig neue Zielgruppen.

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