Designierter Daimler-Chrysler-Chef kritisiert verkrustete Strukturen und fordert mehr Effizienz
Zetsche verordnet Daimler Kulturwandel

Die Zeit der großen Visionen scheint bei Daimler zuende zu sein. Die Idee vom Technologiekonglomerat floppte genauso wie die des weltumspannenden Autokonzerns. Stattdessen wird mit Dieter Zetsche die Bodenständigkeit nach Stuttgart zurückkehren. Der Erfolg ist mit den neuesten Quartalszahlen schon da.

MÜNCHEN. Schon zwei Monate vor seinem offiziellen Amtsantritt am 1. Januar 2006 beginnt Dieter Zetsche, der designierte Vorstandschef von Daimler-Chrysler, dem größten deutschen Industriekonzern seinen Stempel aufzudrücken. Hochrangigen Managern zufolge zeichnet sich ab, dass in der Zentrale ein völlig neuer Führungsstil einkehren wird. „Der Konzern ist noch zu hierarchiebetont“, sagte Zetsche dem Handelsblatt. Dabei gehe Effektivität verloren.

Über die Konzernzentrale bei Stuttgart fällt Zetsche ein hartes Urteil: „Möhringen erscheint mir manchmal wie eine Festung.“ Diese Aussage ähnelt zwar dem Ausspruch des scheidenden Vorstandschefs Jürgen Schrempp, der das Hauptquartier des Weltkonzerns einmal „Bullshit Castle“ genannt hatte. Beobachter erwarten aber, dass sich Zetsches bodenständiger Führungsstil erheblich von dem seines Vorgängers unterscheiden wird. Der 52-Jährige kündigt zwar noch keine konkreten Pläne an. Seine offene Art, mit der er Chrysler sanierte, ist in Stuttgart aber schon bekannt. Zetsche sucht den direkten Kontakt mit den Mitarbeitern, auch wenn es um unangenehme Dinge wie den jüngst angekündigten Abbau von 8500 Stellen bei Mercedes geht.

Die Zeit der großen Visionen scheint jedenfalls vorbei zu sein. Bis Mitte der 90er-Jahre hatte Edzard Reuter aus dem Autohersteller Daimler-Benz einen Technologiekonzern mit Software, Flugzeugen und Rüstungsgütern gezimmert. Sein Nachfolger Jürgen Schrempp leitete eine radikale Strategiewende ein. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren fokussierte er Daimler wieder auf den Automobilbau. Die Übernahme von Chrysler war die bis dahin größte Fusion der Branche.

Doch Zetsches Vorgänger entfernten sich nach Ansicht von Insidern zunehmend von der Basis. Immer kleiner wurde der Kreis, der zu den Chefs Zugang hatte. Die Folge waren immer wieder Fehleinschätzungen.

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