Industrie
Designkritik: Proportionen machen 1er aus

Die Strategie ist erstaunlich einfach: man nehme die aufwendige Technik eines gehobenen Fahrzeugs der Mittelklasse und verpacke sie in die für die Kompaktklasse typischen Außenmaßen. Was daraus resultiert ist der 1er BMW, ein Hybrid mit viel Charakter und Substanz. Und mit allen rationalen Nachteilen, die damit verbunden sind: mangelndes Raumangebot vor allem.

HB DÜSSELDORF. Bei BMW wird aber die „Freude am Fahren“ bevorzugt, so dass das Auto im Prinzip ein viertüriger 2+3-Sitzer ist. Das wird aber kein Problem sein: Denn bei diesem Fahrzeug geht es ums Image, und kaum eine Marke ist derzeit unter Status-Aufsteigern begehrter. Der 1er macht ihnen den Einstieg in die BMW-Welt leichter. Sie werden sich zweifellos auf das Auto stürzen.

 Bilder vom neuen 1er BMW ...

Die Wettbewerber spielen freilich mit. Das Segment hat sich in den vergangenen Jahren deutlich in Richtung Individualität, Dynamik und Emotion umorientiert. Die Autos sind größer, die Basismotorisierung stärker, die Qualitätsansprüche und vor allem die Image-Erwartungen der Konsumenten höher geworden. Auf diesem neuen Terrain, auf dem sich der Klassenkönig Golf im Moment ziemlich schwer tut, spielt BMW die Löwenrolle. Auch die Distanz zur A-Klasse, die eine andere Zielgruppe anspricht, ist ein weiterer Vorteil für den Münchener. Im Sinne des Looks ist, vor allem bei der jüngeren Käuferschicht ein Sieg für BMW einfach vorherzusehen.

Automobilfreaks werden die edle Technik verehren: Das raffinierte Fahrwerk (vorne aus 5er und 7er), die längs eingebauten Motoren mit Hinterradantrieb und die üppige Bereifung machen den 1er zum Exoten unter den Kompaktautos. Lifestyle-Yuppies werden den aus dem Roadster Z4 bekannten neuen BMW-Look mögen. Puristen dagegen werden das Auto ablehnen: Chris Bangles undeutsche Hand findet nach wie vor Freude im gestalterischen Exzess, vor allem im Detail. Dies ist aber ja Geschmacksache.

Was aber das Auto ausmacht, sind seine Proportionen. Gegen den Trend präsentiert sich der 1er schlank und fit, die lange, flache Motorhaube und der nach hinten gesetzte Fahrgastraum stellen klassische Proportionen dar, wie man Sie aus hochmotorisierten Sportautos kennt.

Auch deswegen stören die 4 Türen, die man womöglich aus praktischen, keineswegs aus ästhetischen Gründen braucht. Dass eine sehr willkommene 2-türige Variante kommen wird ist klar, wie auch die Tatsache, dass diese den 3er Kompakt endgültig kannibalisieren soll. In der Qualität von Kompaktklasse keine Spur: Wer sich dann über den Einstiegspreis von 19 800 Euro freut, soll genauer hingucken. Sonderausstattung gibt es reichlich, meine Lieblingsversion (noch keine Vollausstattung) kostet 38 800 Euro. Dennoch wird der 1er zwischen Mini und 3er Imagesieger sein.

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