Detroit Auto Show
GM kündigt Preissenkung an

Der weltgrößte Automobilkonzern General Motors will mit einer ungewöhnlichen Aktion die Kunden in Nordamerika das Feilschen um Rabatte abgewöhnen und den Marken damit das Image von Ramschware nehmen.

hof DETROIT. Wie am Rande der Detroit Auto Show bekannt wurde, will der Konzern, der 2005 auf dem US-Markt einen hohen Milliardenverlust eingefahren hat, die Listenpreise für einen großen Teil seiner Fahrzeugpalette senken, um die Verhandlungsbasis für Rabatte zu schmälern. Offiziell wollte der Konzern das nicht bestätigen.

Der neue GM-Finanzchef Fritz Hendersson sagte dem Handelsblatt lediglich, dass GM nach Möglichkeiten sucht, den Kunden die Werthaltigkeit der Autos zu verdeutlichen. Das riskante Kalkül hinter den Maßnahmen: GM hofft damit, den Marken ihr Billigimage zu nehmen und neue Modelle dann wieder mit höheren Preisen einzuführen zu können, ohne dass Kunden sofort nach Rabatten verlangen. Kurzfristig würde eine solche Aktion nicht für eine Entlastung der angespannten Finanzlage führen, langfristige sollen die Margen dadurch wieder steigen.

Die Branche sieht solche Strategiespiele skeptisch: „In einer perfekten Welt mag das funktionieren. Dass es klappt, glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe“, kommentierte Ford-Chef Bill Ford den Vorstoß gegenüber dem Handelsblatt. Auch Audi-Finanzchef Rupert Stadler hält das Unterfangen für wenig aussichtsreich. Dieter Zetsche, Chef von Daimler-Chrysler sagte lediglich: „Wir begrüßen jeden Schritt, den GM in Richtung sinkender Rabatte geht.“

GM und Ford versuchen seit Jahren, die Rabattschlacht in den USA einzudämmen, scheitern aber jedes Mal an dem Zwang, produzierte Autos in den Markt drücken zu müssen – was ohne Nachlässe nicht gelingt. Die von GM nach den Anschlägen vom 11. September 2001 angestoßene Rabatt-Welle ist zwar 2005 etwas abgeebt, aber noch immer gewährte GM laut dem Marktforschungsinstitut Autodata je Fahrzeug durchschnittlich 3800 Dollar Rabatt, Chrysler 3 700 Dollar und Ford knapp 3400 Dollar.

Europäische und asiatische Hersteller lagen deutlich darunter. Dennoch verloren GM und Ford Marktanteile. Bill Ford kündigte nun an, den Schwund an Marktanteilen in diesem Jahr wieder zu stabilisieren. „Spätestens 2007 soll er wieder steigen“, sagte er. Mit mehr Modellen auf PKW-Basis und Sprit sparenderen Autos will er die Wende bewerkstelligen. Mit dem Slogan „Small is big“ wirbt der Konzern auf dem Messegelände. Auf dem Ausstellungsstand in Detroit ist dies allerdings noch nicht zu erkennen. Dort überwiegen noch immer Pickups and Geländewagen. Einen Trend zu Kleinwagen sieht Ford in den USA nicht generell: „Effizienz ist keine Frage der Größe“, glaubt er.

Auf der Ertragsseite soll ein neues Restrukturierungsprogramm für Schub sorgen. Marktbeobachter rechnen damit, dass etwa zehn Fabriken und 30 000 Arbeitsplätze den Sanierungsplänen zum Opfer fallen werden – hauptsächlich in den USA. Denn „in der restlichen Welt arbeiten wir profitabel“, so Bill Ford. Wie dramatisch die Lage bei Ford in den USA ist, machte vor der Automesse der für das US-Geschäft verantwortliche Mark Fields deutlich: „Es ist eine Frage von Leben oder Sterben.“

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