Deutsch-französische Gruppe will sich gesund sparen
Aventis verordnet sich eine strenge Diät

Mit einem Bündel von Sparmaßnahmen will die Aventis S.A. ihre Ertragslage aufbessern, bis im Jahr 2006 voraussichtlich ihr nächstes umsatzstarkes Medikament auf den Markt kommt. Denn zwei der wichtigsten Aventis- Medikamente werden derzeit von Nachahmerprodukten attackiert. Rund 500 Mill. Euro pro Jahr sollen die Maßnahmen bringen, die in einem internen Arbeitspapier namens „Reshaping Aventis“ vorgeschlagen werden.

abo DÜSSELDORF. In Paris sank der Aventis-Kurs um 1,3 % auf Werte von gut 48 Euro. Die Unsicherheit über die Restrukturierung überdeckte sogar die positiven Aussichten für eine breitere Anwendung des patentgeschützten Aventis-Präparats „Taxotere“, die der Konzern zuvor in den USA präsentiert hatte. Das patentgeschützte Mittel, das derzeit im Rahmen bestimmter Therapien zur Bekämpfung von Brustkrebs und Lungenkarzinomen zugelassen ist, hat demnach künftig Potenzial für eine annähernde Verdopplung der Jahresumsätze auf rund 3 Mrd. Euro.

Eine Unternehmenssprecherin hatte die Existenz der vom französischen Wirtschaftsblatt „La Tribune“ entdeckten Sparpläne am Wochenende bestätigt. Dem Handelsblatt sagte ein anderer Sprecher allerdings am Montag, die in dem Arbeitspapier aufgeführten Maßnahmen seien noch nicht beschlossen. Das Unternehmen gab keinerlei Kommentar zu Sparzielen und zu einem eventuellen Personalabbau ab.

Dem Bericht zufolge will Aventis die Hälfte seiner rund 50 Werke schließen. Nach Gerüchten, die in den Aventis-Werken in Frankreich umlaufen, sollen im Nachbarland 1 800 von 13 000 Stellen gestrichen werden. In Deutschland steht Betriebsratskreisen zu Folge kein größerer Personalabbau ins Haus.

Das Sparpapier hat nicht nur die Beschäftigten des 1999 aus Hoechst und Rhône-Poulenc hervorgegangenen Pharmakonzerns beunruhigt. Es hat auch die Spekulationen in Pariser Börsenkreisen belebt, Aventis könne durch seine vorübergehende Innovationsschwäche in eine Fusion getrieben werden. Allerdings stritt Vorstandschef Igor Landau jegliches Interesse seines Konzerns an einer Fusion ab, da dies nicht zu mehr Wachstum führe. Wie Aventis haben derzeit die meisten größeren Pharmakonzerne wenig neue Medikamente in der Pipeline, mit denen sie ihr Geschäft ausbauen könnten.

Als Kandidat für eine Verbindung mit Aventis nennen Finanzkreise immer wieder Sanofi-Synthélabo S.A., die im ersten Halbjahr 2003 doppelt so schnell gewachsen ist wie der Markt und dabei außer Novartis alle größeren Pharmakonzerne ausgestochen hat. Pariser Analysten räumen indes ein, dass die Produktportfolios und die Forschungskultur der beiden Firmen sich nicht besonders gut ergänzen.

Sanofi-Synthélabo, die Aventis in der Marktkapitalisierung mit 40 Mrd. Euro inzwischen um rund 2 Mrd. Euro überholt hat, ist einer Fusion nicht grundsätzlich abgeneigt. Konkret könnte der Spielraum von Vorstandschef Jean-Francois Dehecq wachsen, weil sich die Hauptaktionäre Total S.A. und L'Oréal S.A. kürzlich gegenseitig von einer früheren Vereinbarung entbunden haben, an ihren Paketen festzuhalten. Der Kurs von Sanofi-Synthélabo ging gestern um 0,6 % auf rund 55,60 Euro zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%