Deutsche Autozulieferer
Spagat schaffen

Die Elite der deutschen Zulieferer fertigt Standardprodukte für ein asiatisches oder osteuropäisches Billigauto? Passt das zusammen? Es muss! Denn um das Geschäft in Boomländern nicht zu verpassen, sind die High-Tech-getriebenen Autozulieferer in Deutschland gezwungen, umzudenken. Einfachsysteme waren bisher nicht gerade ihre Stärke.
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DÜSSELDORF. Der robuste Viertürer mit dem Stufenheck sieht aus wie ein Auto von gestern - und ist trotzdem ein großer Erfolg. Der Dacia Logan, mit einem Preis von 5 000 Euro als Billigwagen für die Schwellenländer konzipiert, läuft in diesem Jahr in der rumänischen Fabrik Pitesti rund 260 000-mal vom Band. Selbst in Westeuropa konnte die französische Konzernmutter Renault in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres über 30 000 Logans verkaufen.

Der Logan-Erfolg erfreut auch die deutschen Autozulieferer. Denn sie haben dafür wichtige Teile geliefert: Bosch etwa baut das Antiblockiersystem für den Logan, Siemens VDO produziert die Steuerelektronik beim Benzin-Modell, und Continental bestückt das Auto mit Reifen.

Die Elite der deutschen Zulieferer, weltweit bekannt für ihre Innovationsführerschaft, fertigt Standardprodukte für ein Billigauto? Passt das zusammen? Es muss: "Wir müssen da mit dabei sein", sagt Bernd Bohr, beim Stuttgarter Traditionsunternehmen Bosch für die Kraftfahrzeugtechnik zuständig, "insbesondere die chinesischen Hersteller werden sich am Anfang auf die Billigautos spezialisieren."

Wer in den Wachstumsmärkten in Osteuropa und Asien mitspielen wolle, "sollte auch Einfachteile anbieten können, sonst bleibt er in den Boomregionen außen vor", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center of Automotive Research in Gelsenkirchen. Derzeit beschäftigen sich fast alle großen deutschen Autozulieferer mit dem Thema Billigautos und bauen sogenannte Low-Cost-Strukturen für technisch einfachere Produkte auf. Arbeitsplätze entstehen deshalb vor allem in den schnell wachsenden Absatzmärkten der Schwellenländer.

Das ist auch nötig. Denn in den angestammten Märkten Westeuropa und Nordamerika stagniert die Nachfrage nach Automobilen, während der Pkw-Absatz in Osteuropa und Russland sowie in China und Indien rasant wächst. Bis 2010, so die Schätzung des Prognoseinstituts B&D Forecast, wird rund ein Fünftel der weltweit produzierten 58 Millionen Fahrzeuge in den neuen Boomregionen verkauft werden. Die Berater von Mercer Management rechnen damit, dass der Anteil der Billigautos bis 2012 weltweit von heute rund zwei Millionen auf 4,2 Millionen Fahrzeuge zulegen wird.

Schon heute sind diverse Einfachautos auf dem Markt. Neben dem Logan, der vor allem in Osteuropa verkauft wird, bietet beispielsweise der chinesische Hersteller Chery seinen kleinen Viertürer QQ für 3 500 Euro auf dem Heimatmarkt an. Und in Indien bastelt Tata Motors derzeit an einem Fahrzeug für unter 2 000 Euro, das die Lücke zwischen Zweirädern und den heutigen billigsten Autos schließen soll.

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