Deutsche Bahn
Bahn soll E-Mails kontrolliert haben

Der Datenskandal bekommt eine neue Ebene: Die Deutsche Bahn hat nach übereinstimmenden Medieninformationen in großem Umfang in den E-Mails von Mitarbeitern gezielt nach Kontakten zu Journalisten gesucht. Bahn-Chef Mehdorn steht nun zunehmend unter Druck. Die Gewerkschaften Transnet und GBDA fordern seinen Rücktritt.

HB MÜNCHEN. Dabei soll es sich um eine „großflächige“ Aktion gehandelt haben, von denen ein größerer Teil der Belegschaft erfasst worden sei, wie die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel in ihren Online-Ausgaben berichten. Vorstandschef Hartmut Mehdorn musste sich am Freitag vor dem Aufsichtsrat wegen der Datenaffäre verantworten.

Teilnehmer der Aufsichtsratssitzung konkretisierten die Angaben. Die Konzernrevision habe 2005 die elektronische Post sämtlicher Beschäftigten gerastert, hieß es. Überprüft wurde, ob die Mails an Bahn-Kritiker auch aus dem Bundestag oder an bestimmte Redaktionen gegangen sei. Ziel sei es gewesen, Konzernkritiker kaltzustellen.

Die vom Aufsichtsrat eingesetzten Sonderermittler wollten das Gremium über ihre bisherigen Untersuchungsergebnisse informieren. Die Wirtschaftprüfgesellschaft KPMG sowie die ehemaligen Bundesminister Gerhard Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD), die mit der Untersuchung beauftragt sind, haben laut Zeitungsbericht zahlreiche Akten ausgewertet und bereits 60 Mitarbeiter des Staatsunternehmens als Zeugen vernommen.

Bei diesen Recherchen sei die Suche bei Mitarbeitern der Bahn nach Journalistenkontakten bekannt geworden. Die Sonderermittler sollen eine Liste jener Journalisten zusammengestellt haben, mit deren Namen intern nach Pressekontakten gefahndet wurde.

Nach Angaben aus Konzernkreisen sollen E-Mails, in denen Namen von bestimmten Journalisten aufgetaucht seien, ohne Wissen der betroffenen Mitarbeiter automatisch an eine interne Kontrollinstanz weitergeleitet worden sein, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Für diese Zwecke sei eine entsprechende technische Vorkehrung geschaffen worden, eine Art „automatische Weiterleitungsfunktion“.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zuvor den Verdacht geäußert, dass „möglicherweise E-Mails von GDL-Amtsinhabern und Betriebsräten“ im Tarifkonflikt 2007/2008 ausgespäht worden sein könnten. Dies sei „momentan noch eine Mutmaßung, es gibt noch keine Erkenntnisse“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky der „Berliner Zeitung“.

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