Deutsche Bank macht mit
Endspiel um Yukos

Die Deutsche Bank bereitet Marktgerüchten zufolge den Kauf von Aktien und Schulden des zerschlagenen und bankrotten russischen Ölkonzerns Yukos vor – in wessen Auftrag wird eifrig spekuliert. Sicher sind sich Beobachter nur, dass das sich jetzt die Zukunft von Yukos entscheidet.

MOSKAU/FRANKFURT/LONDON. Wie die Tageszeitung Kommersant berichtete, soll der russische Arm der Deutschen Bank, Deutsche UFG, Interesse an der Übernahme der Schulden sowie der Kontrollmehrheit an Yukos gezeigt haben. Marktbeobachter in Moskau gehen davon aus, dass die Bank dabei in Absprache mit ihrem langjährigen Kunden, dem Gasmonopolisten Gazprom, handelt. Auch der staatliche Ölkonzern Rosneft komme laut dem Wirtschaftsblatt als Partner in Frage.

Keines der Unternehmen wollte sich auf Anfrage dazu äußern. Der Yukos-Mehrheitseigner GML, ehemals Menatep, teilte laut der Nachrichtenagentur Interfax in London mit, die Deutsche Bank habe bislang weder offiziell noch inoffiziell Interesse an der Übernahme der Yukos Kontrollmehrheit geäußert. Die Deutsche Bank bestätigte gestern aber einen Brief an den Yukos-Chairman Wiktor Geraschenko vom 27. September dieses Jahres, mit dem sie sich „Informationen über das Yukos-Eigenkapital“ habe beschaffen wollen.

Dennoch halten sich die Gerüchte, die Bank arbeite im Auftrag eines großen Kunden an Yukos, hartnäckig und treiben den Kurs der Yukos-Papiere nach oben: Die Aktien verzeichneten gestern kurzfristig ein Plus von 14 Prozent.

„Wir nähern uns nun definitiv dem Ende im Spiel um Yukos“, sagt Christopher Weafer, der Chef-Stratege der russischen Alfa Bank. Für Gazprom mache es durchaus Sinn, in den Besitz von Yukos-Anteilen zu kommen oder Schulden zu übernehmen. „Damit hätte Gazprom eine bessere Position am Verhandlungstisch mit Rosneft“, meint Weafer.

Yukos ist nach wie vor ein wertvolles Unternehmen: Selbst nach der vom Kreml angeordneten Zwangsversteigerung der größten Fördertochter Yuganskneftegas, die schließlich an den staatlichen Ölkonzern Rosneft fiel, besetzt Yukos noch Rang sechs unter den russischen Ölförderern. Derzeit pumpt der ehemals größte russische Ölkonzern zwar nur noch rund 400 000 Barrel Öl am Tag. Konzernkenner Weafer geht aber davon aus, dass sich die Förderung leicht auf täglich über 650 000 Barrel (je 159 Liter) steigern ließe. Hinzu kommen die Raffinerien des Unternehmens sowie das Tankstellennetz.

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