Deutsche Börse und Nyse
„Es ist großartig für Deutschland“

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Durch das Ausklammern kritischer Punkte wollen die beiden Partner erst einmal verhindern, dass die Megafusion wie beim letzten Anlauf scheitert. So ist neben dem Namen auch noch unklar, wie genau die Kosten gesenkt und welche Technologien bevorzugt würden.

Doch den beiden Börsenbetreibern bleibt kaum eine andere Wahl als sich zusammenzuraufen: Steigender Kostendruck und zunehmende Konkurrenz von alternativen Handelsplattformen, die mit günstigen Preisen angreifen, zwingen die Börsen zu einem Schulterschluss. Auch an anderen Handelsplätzen wird deshalb an Fusionen gefeilt: So kauft die Londoner LSE die kanadische TMX, die Konkurrenz aus Singapur buhlt um die australische ASX.

So sorgten am Dienstag auch Gerüchte über ein feindliches Konkurrenzangebot für die Nyse für Wirbel. Einige US-Medien, darunter der Fox-Business-Reporter Charles Gasparino auf Twitter berichteten, dass die weltgrößte Derivate-Börse CME gemeinsam mit der Technologiebörse Nasdaq mitböten. CME-Chef Terry Duffy hielt sich bedeckt: "Wir beobachten aufmerksam jedes Geschäft, zu dem es in unserem Bereich weltweit kommt", sagte er lediglich.

Die Kartellbehörden haben bei der deutsch-amerikanischen Fusion derweil noch ein gewichtiges Wort mitzureden: Analysten erwarten vor allem Einwände bezüglich des Derivategeschäfts, das durch einen Zusammenschluss von Eurex und Liffe von der neuen Gruppe dominiert würde.

Auch die hessische Börsenaufsicht hat ein Vetorecht. Man werde den geplanten Deal "sorgfältig prüfen", ließ Landeswirtschaftsminister Dieter Posch am Dienstag mitteilen. Ob und in welcher Form es letztlich zu einer Fusion kommt, könne heute noch nicht gesagt werden. "Ich werde mich im weiteren Fusionsprozess jenseits der rein aufsichtsrechtlichen Prüfung für die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt einsetzen", so Posch.

Formal soll die Gruppe unter dem Dach einer neu gegründeten Holding in den Niederlanden zusammengeführt werden und Zentralen in New York und Frankfurt haben. Gelistet wird der Börsenkonzern in Frankfurt, New York und Paris. Die Altaktionäre der Deutschen Börse sollen 60 Prozent der Anteile, die der Nyse Euronext 40 Prozent halten. Eine Nyse-Euronext-Aktie soll in 0,47 Aktien der neuen Gesellschaft getauscht werden.

Kreisen zufolge sieht die Einigung einen zehnprozentigen Aufschlag auf den Aktienkurs der Nyse Euronext vor. Der amerikanische Marktbetreiber werde damit mit gut zehn Milliarden Dollar bewertet.

Neben den Personalia Francioni und Niederauer teilten die Konzerne mit, dass Eurex-Chef Andreas Preuß stellvertretender CEO werden solle. Den Finanzchef stellt die Deutsche Börse mit Gregor Pottmeyer. Auch über die Besetzung des Boards ist man sich einig.

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