Deutsche contra Franzosen: Airbus steckt in der Zwickmühle

Deutsche contra Franzosen
Airbus steckt in der Zwickmühle

Nichts geht mehr beim europäischen Flugzeugbauer Airbus und dessen Muttergesellschaft EADS: Eigentlich hatte das Management längst das Sparprogramm verkünden wollen. Doch nationale Eitelkeiten haben dies verhindert. Die Deutschen sperren sich gegen die Vorschläge der Franzosen; diese haben daraufhin auf Stur geschaltet. Die Situation scheint ausweglos.

PARIS/MÜNCHEN. Die Verschiebung des Sparprogramms „Power8“ bringt Airbus-Chef Louis Gallois zunehmend in die Defensive. Während die deutsche EADS-Führung das Sparpaket blockiert, gelangen immer mehr Details des Plans in die Öffentlichkeit. In einem Radiointerview bestätigte der französische Premierminister Dominique de Villepin den Abbau von 10 000 Stellen bei Airbus. „Das ist so geplant“, sagte de Villepin. EADS-Co-Chef Tom Enders wollte die Zahl nicht bestätigen.

Ursprünglich sollte die EADS-Tochter Airbus am gestrigen Dienstag ihre Pläne für den Neustart von Airbus vorstellen. Doch das deutsche Management um Tom Enders widersetzte sich den Plänen Gallois’. Beide sind gleichberechtigte Chefs des Airbus-Mutterkonzerns EADS. Wie aus EADS-Kreisen verlautet, bezweifeln die Deutschen, dass das vorgelegte Sparprogramm tatsächlich die gewünschten Einsparungen von 2 Mrd. Euro ab 2010 realisieren kann. Insbesondere dem deutschen Großaktionär Daimler-Chrysler ist das Zahlenwerk nicht valide genug. Daimler, geschwächt durch die Chrysler-Sanierung, will auf jeden Fall rote Zahlen bei EADS vermeiden.

Zum anderen wehren sich die Deutschen gegen die Neuaufteilung der A350-Produktion, deutsche Politiker üben hinter den Kulissen massiv Druck aus. Für das Flugzeug will Gallois die Airbus-Produktion umstellen. Mehr als die Hälfte soll von externen Zulieferern kommen, der Rest unter den verbleibenden Airbus-Werken aufgeteilt werden. Die Deutschen fürchten, von Zukunftstechnologien wie etwa der Fertigung von Kompositplatten, abgeschnitten zu werden. Gallois will aber, dass die Rumpfplatten des neuen Hoffnungsträgers A 350 in St. Naizare und Nantes produziert werden, was die Deutschen blockieren. „Lasten und Chancen müssen gleich verteilt werden“, heißt es aus deutschen EADS-Kreisen.

Damit ist der zentrale Punkt in Gallois-Strategie gescheitert. Denn als Entschädigung für die französische Dominanz bei der A350 wollte der Airbus Chef den Deutschen anbieten, dass Hamburg die Produktionsanteile des Riesenairbus A380 behält. Ferner soll Hamburg komplett die neue Version des Kurzstreckenflugzeugs A320 bekommen, die bislang auch in Toulouse gefertigt wird. Mit diesem Vorhaben riskiert Gallois indes Ärger mit den französischen Gewerkschaften; diese wollen von einem Abzug der A320 aus Toulouse nichts wissen. Denn dieser Flugzeugtyp hat einen Anteil von 90 Prozent am Airbus-Absatz gerechnet nach Stückzahlen.

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