Deutsche Dynastien
Adidas gegen Puma – Sportfeinde Herzogenaurach

1924 gründen die Brüder Adi und Rudolf Dassler eine Schuhfabrik. Aus Partnern werden Feinde. Angestachelt von ihrer Rivalität, bauen ihre Familien zwei Weltmarktführer auf: Puma und Adidas.
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Brigitte Baenkler hat alles schön herrichten lassen, Fackeln und Laternen lassen ihr Hotel Herzogpark leuchten an diesem Sommerabend. Sie hat Menschen eingeladen, die einander über Jahrzehnte aus dem Weg gegangen sind. Sie glaubt, dass die Zeit gekommen ist, eine alte Feindschaft beizulegen.

Brigitte Baenkler ist eine von vier Töchtern Adi Dasslers. Und Dassler, das heißt: eine Familie, zwei Lager, die einander seit Jahrzehnten bekämpfen. Das heißt: Adidas und Puma, zwei Weltkonzerne mit Sitz in der fränkischen Provinz. Man steht auf der einen Seite oder auf der anderen, neutral zu sein ist unmöglich. Selbst nach dem Tod der Firmengründer führen ihre Töchter und Söhne den Familienkrieg fort.

Der Kampf hat das kleine Herzogenaurach gespalten. Brigitte Baenkler findet, dass es irgendwann einmal genug sein muss. Eine Gala, denkt sie, wäre doch einen Versuch wert. Und feiern will sie ja sowieso. Es ist Sommer 2006, zehn Jahre gibt es ihr Hotel nun.

Einige ihrer Gäste fühlen sich ziemlich unbehaglich, als sie eintreffen. Manche sagen hinterher, dass sie ihre Verwandten nicht erkannt hätten. Sie hatten ja schon als Kinder gelernt, die andere Hälfte des Clans zu ignorieren. „Soweit es uns betraf, existierte die andere Hälfte der Familie nicht“, sagt zum Beispiel Jörg Dassler, ein Enkel des Puma-Gründers Rudolf Dassler. Als Brigitte Baenkler den Rahmen für einen ersten zaghaften Aussöhnungsversuch schafft, ist die Dynastie schon fast 70 Jahre alt.

Die Anfänge in der Waschküche

Als sich Christoph und Paulina Dassler Ende des 19. Jahrhunderts in Herzogenaurach niederlassen, deutet nichts darauf hin, dass der Ort einmal die Sportschuhhauptstadt der Welt werden wird.

Sport spielt zu dieser Zeit kaum eine Rolle. Deshalb fällt Adolf so sehr auf, der Sohn, jüngstes von vier Kindern. Er interessiert sich für so ziemlich alles: Leichtathletik, Fußball, Boxen oder Eislaufen. Nachdem er aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt ist, macht er aus dem Interesse ein Geschäft.

Er näht und klebt in der ehemaligen Waschküche seiner Mutter Sportschuhe zusammen. Dorthin schleppt er alle Überbleibsel des Kriegs, die er finden kann, schneidet Lederstreifen von Armeehelmen und Stoffstücke aus Brotbeuteln.

Es ist diese Mischung aus Einfallsreichtum und einem gewissen Maß an Besessenheit, die Adi, wie Adolf genannt wird, auszeichnet. „Er mochte es, sich den Kopf über allerlei Arten technischer Probleme zu zerbrechen, und er verblüffte mich oft, indem er einen klugen und praktischen Weg fand, sie zu lösen“, sagt etwa Dettmar Cramer. Cramer ist heute ein alter Mann, er hat lange Jahre als Trainer im Profi-Fußball gearbeitet und war einer von Adi Dasslers engsten Freunden.

Nach drei Jahren stößt Adis Bruder Rudolf zu dem kleinen Unternehmen. 1924 gründen sie gemeinsam die „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“.

Ein paar Jahre lang funktioniert die Partnerschaft ordentlich. Die Brüder sind sehr unterschiedlich, aber sie ergänzen sich. Adi bringt die meisten seiner Tage damit zu, mit Leder und Klebstoff herumzutüfteln und bemerkenswert leichte und weiche Schuhe zu machen. Rudolf, laut und extrovertiert, ist der geborene Verkäufer. Die gemeinsame Firma wächst sehr schnell, die Brüder ziehen in ein leer stehendes Fabrikgebäude um.

Rudolf gründet eine Familie. Er heiratet 1928 Friedl Strasser, ein Jahr später kommt der Sohn Armin Adolf auf die Welt. Die Dasslers bauen nahe der Fabrik ein Haus für die ganze Familie. Doch in dieser Zeit tritt ein weiterer Mensch in das Leben der Dasslers ein, mit dem sich alles verändern wird.

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