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14.12.2007 
Autobauer

Deutsche fahren in den USA hinterher

von Carsten Herz

Gefangen im Mittelfeld: Deutsche Autobauer fristen auf dem begehrten US-Markt ein Nischendasein; japanische Automobilhersteller mischen die angeschlagene einheimische Konkurrenz beinahe alleine auf. Doch das soll sich nun ändern: VW -Chef Martin Winterkorn will im US-Markt aufholen ? Experten erwarten den Bau einer neuen Produktionsstätte.

Möchte im US-Markt aufholen: VW-Chef Martin Winterkorn. Foto: apLupe

Möchte im US-Markt aufholen: VW-Chef Martin Winterkorn. Foto: ap

FRANKFURT. Der Auftritt vor der US-Handelskammer in Washington war perfekt arrangiert. Daimler-Boss Dieter Zetsche selbst ließ es sich nicht nehmen, vor hochrangigen Regierungs- und Wirtschaftsvertretern in der US-Kapitale den vor seinem US-Debüt stehenden Kleinwagen Smart vorzustellen. Der imposante Empfang der Stuttgarter vor wenigen Tagen kann über die wirklichen Kräfteverhältnisse auf dem US-Markt gleichwohl nicht hinwegtäuschen. Die deutschen Autobauer fristen im Vergleich zur japanischen Konkurrenz auf dem wichtigen US-Markt nur ein Nischendasein. Während die Japaner auf dem größten Automarkt der Welt die kriselnde einheimische Konkurrenz von Chrysler, Ford und GM fast im Alleingang aufmischen, spielen die deutschen Hersteller in den USA heute bei der Schlacht um große Stückzahlen auf dem umkämpften Markt keine dominante Rolle.

Gefangen im Mittelfeld: Die deutschen Autobauer bewegen sich mit einem Marktanteil von gut fünf Prozent in den USA weit abgeschlagen hinter den absatzstarken Herstellern. Anders die asiatischen Autobauer: Sie erreichen inzwischen nach Berechnungen von Analysten in den Vereinigten Staaten im Segment PKW, Pick-ups und Geländewagen dieses Jahr in günstigen Fällen Marktanteile von knapp 40 Prozent. Dass BMW, Mercedes & Co. keine größere Rolle auf dem größten Automarkt der Welt spielen, hat viel mit der Produktpalette der deutschen Hersteller zu tun ? und vor allem mit der Schwäche von VW auf dem US-Markt.

"Der Grund, warum die deutschen Hersteller im Vergleich zu den japanischen Autobauern in den USA eher ein Nischendasein fristen, ist einfach: Mit Ausnahme von VW sind in den USA aus Europa nur Premiumhersteller wie BMW, Audi und Mercedes präsent, die im oberen Segment agieren und keine Stückzahlen wie Toyota absetzen: Einzig VW hat als großer Volumenhersteller das Zeug, mit den Japanern in den USA beim Absatz mitzuhalten", sagt Maria Bissinger, Auto-Analystin der Ratingagentur Standard & Poor?s, dem Handelsblatt. Das Potenzial alleine genügt freilich nicht, wenn es nicht abgerufen wird. Volkswagen büßt in den Vereinigten Staaten gegenwärtig vor allem für Mängel in der Modellpalette und die begrenzten Produktionskapazitäten im Dollarraum. Der neue VW -Chef Martin Winterkorn möchte das nun ändern.

Große europäische Volumenhersteller wie Peugeot, Fiat und Renault sind dagegen gar nicht auf dem US-Markt präsent. "Das ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb die japanischen und koreanischen Hersteller inzwischen auf einen Marktanteil von knapp 38 Prozent kommen, während die Europäer lediglich bei sieben Prozent liegen", sagt Bissinger.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: VW verkaufte einst den beliebtesten Importwagen

Das war beileibe nicht immer so. Ende der 60er-Jahre, als die Motoren aus Detroit die amerikanischen Straßen noch fast alleine beherrschten, stand der VW Käfer ganz oben auf der Liste der meistverkauften Importwagen in den Vereinigten Staaten. Von den Erfolgen vergangener Tage sind die deutschen Hersteller, vor allem VW, heute meilenweit entfernt. Mit fast sechs Prozent hatte der Käfer damals im Alleingang mehr Marktanteile in den USA erobert als heute alle deutschen Marken zusammen. Zum Vergleich: Allein Toyota ist bei Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen rund dreimal so groß wie Audi, BMW & Co. zusammen.

Bei Personenwagen sieht die deutsche Bilanz nur etwas besser aus. Gewinner auf dem US-Markt sind seit Jahren die asiatischen Hersteller, die auf Kosten der US-Autobauer stetig expandieren. Der US-Absatz der Wolfsburger ist dagegen seit 2001 um ein Drittel gesunken. Im November verkaufte Europas größter Autokonzern gerade mal 17 689 Fahrzeuge der Marke VW in den USA. Der Marktanteil liegt 2007 voraussichtlich nur bei 1,4 Prozent.

Doch Winterkorn will mit einer kühnen Attacke auf Toyota bis 2015 an die Weltspitze fahren ? und setzt dafür auch auf überproportionales Wachstum in den USA. Der neue VW -Chef in den USA, Stefan Jacoby, hat sich deshalb ehrgeizige Ziele verordnet: In den nächsten zehn Jahren will er den jährlichen Verkauf von derzeit 240 000 auf 800 000 VWs in den USA steigern. Laut wird im Konzern auch über ein Werk in Nordamerika nachgedacht. Eine Entscheidung für eine Erweiterung der Produktionskapazitäten im Dollarraum könnten der Marke auf dem amerikanischen Automarkt neue Impulse geben, glaubt Bissinger. Sei doch ein wichtiger Grund für den Siegeszug der Japaner in den USA gewesen, dass sie stark auf eine lokale Produktion gesetzt hätten, während VW erst jetzt über eine Fertigungsstätte in Nordamerika neben dem VW -Werk in Mexiko nachdenke. So bereitet heute der schwache Dollar den Japanern deutlich weniger Kopfzerbrechen als der Konkurrenz aus Europa, die kaum Produktionsstätten im Dollar-Raum unterhält.

Experten halten das ehrgeizige Absatzziel von VW auf dem US-Markt ohne zusätzliches Werk nicht für erreichbar. Jacoby setzt bei seinen Wachstumsplänen auf vier Kernmodelle, von denen er zusammen 400 000 bis 500 000 Stück absetzen will. Neben dem Jetta ruhen die Hoffnungen auf der zweiten Generation des gerade vorgestellten kompakten Geländewagens Tiguan. Dazu plant Jacoby einen neuen großen Geländewagen in der Dimension des Touareg, aber mit Straßenqualitäten, die dem Alltag amerikanischer Kundinnen angepasst sind. Außerdem solle es eine Limousine geben, die in den Abmessungen den Passat übertrifft. Gehen die Pläne der Wolfsburger auf, werden die deutschen Hersteller ihren Marktanteil auf dem US-Markt deutlich ausbauen können ? und damit zumindest die Erfolge des alten VW Käfers in den USA in den Schatten stellen.

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