Das war beileibe nicht immer so. Ende der 60er-Jahre, als die Motoren aus Detroit die amerikanischen Straßen noch fast alleine beherrschten, stand der VW
Käfer ganz oben auf der Liste der meistverkauften Importwagen in den Vereinigten Staaten. Von den Erfolgen vergangener Tage sind die deutschen Hersteller, vor allem VW,
heute meilenweit entfernt. Mit fast sechs Prozent hatte der Käfer damals im Alleingang mehr Marktanteile in den USA erobert als heute alle deutschen Marken zusammen. Zum Vergleich: Allein Toyota
ist bei Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen rund dreimal so groß wie Audi,
BMW
& Co. zusammen.
Bei Personenwagen sieht die deutsche Bilanz nur etwas besser aus. Gewinner auf dem US-Markt sind seit Jahren die asiatischen Hersteller, die auf Kosten der US-Autobauer stetig expandieren. Der US-Absatz der Wolfsburger ist dagegen seit 2001 um ein Drittel gesunken. Im November verkaufte Europas größter Autokonzern gerade mal 17 689 Fahrzeuge der Marke VW
in den USA. Der Marktanteil liegt 2007 voraussichtlich nur bei 1,4 Prozent.
Doch Winterkorn will mit einer kühnen Attacke auf Toyota
bis 2015 an die Weltspitze fahren ? und setzt dafür auch auf überproportionales Wachstum in den USA. Der neue VW
-Chef
in den USA, Stefan Jacoby, hat sich deshalb ehrgeizige Ziele verordnet: In den nächsten zehn Jahren will er den jährlichen Verkauf von derzeit 240 000 auf 800 000 VWs in den USA steigern. Laut wird im Konzern auch über ein Werk in Nordamerika nachgedacht. Eine Entscheidung für eine Erweiterung der Produktionskapazitäten im Dollarraum könnten der Marke auf dem amerikanischen Automarkt neue Impulse geben, glaubt Bissinger. Sei doch ein wichtiger Grund für den Siegeszug der Japaner in den USA gewesen, dass sie stark auf eine lokale Produktion gesetzt hätten, während VW
erst jetzt über eine Fertigungsstätte in Nordamerika neben dem VW
-Werk
in Mexiko nachdenke. So bereitet heute der schwache Dollar den Japanern deutlich weniger Kopfzerbrechen als der Konkurrenz aus Europa, die kaum Produktionsstätten im Dollar-Raum unterhält.
Experten halten das ehrgeizige Absatzziel von VW
auf dem US-Markt ohne zusätzliches Werk nicht für erreichbar. Jacoby setzt bei seinen Wachstumsplänen auf vier Kernmodelle, von denen er zusammen 400 000 bis 500 000 Stück absetzen will. Neben dem Jetta ruhen die Hoffnungen auf der zweiten Generation des gerade vorgestellten kompakten Geländewagens Tiguan. Dazu plant Jacoby einen neuen großen Geländewagen in der Dimension des Touareg, aber mit Straßenqualitäten, die dem Alltag amerikanischer Kundinnen angepasst sind. Außerdem solle es eine Limousine geben, die in den Abmessungen den Passat übertrifft. Gehen die Pläne der Wolfsburger auf, werden die deutschen Hersteller ihren Marktanteil auf dem US-Markt deutlich ausbauen können ? und damit zumindest die Erfolge des alten VW
Käfers in den USA in den Schatten stellen.

