Deutsche Firmenlegenden
Telefunken lebt – zu Besuch bei einer untoten Wirtschaftsikone

Wenn große Marken sterben, muss das nicht für immer sein. Nach wie vor geistern deutsche Firmenlegenden wie Untote durch die Unternehmerlansschaft. Besuch bei zwei toten und doch lebenden Ikonen der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Telefunken und Varta

HANNOVER/BERLIN. Es ist ein ungemütlicher Wintertag. Nieselregen fällt auf Berlin. Hemjö Klein schaut aus seinem Büro im siebten Stock eines Hochhauses am Prachtboulevard Unter den Linden. Das Hotel Adlon hat er im Blick und das Brandenburger Tor, dahinter lassen sich die Umrisse der Siegessäule ausmachen.

Doch was Klein zeigen will, das befindet sich weiter im Westen, hinter dem grauen Schleier über der Stadt. Dort irgendwo steht es immer noch, das Telefunken-Hochhaus, 22 Etagen hoch, einst das höchste Gebäude Berlins, erbaut Ende der 50er-Jahre am Ernst-Reuter-Platz. „In den 60er-Jahren war dort der Firmensitz von Telefunken“, erzählt Klein.

Sein Blick wechselt die Richtung. Vage deutet seine Hand über die Dächer Berlins. „Dort irgendwo war einer der früheren Firmensitze von Telefunken und einige der früheren Produktionsstandorte.“ Und nicht nur dort. Telefunken war einst über ganz Berlin verteilt – bis der Konzern 1967 mit der AEG fusionierte und knapp drei Jahrzehnte später mit ihr unterging.

Heute, 105 Jahre nach der Gründung des Elektronikunternehmens, 41 Jahre, nachdem der Konzern seine Unabhängigkeit verlor, und zwölf Jahre nach seiner kompletten Auflösung ist Telefunken wieder nach Berlin zurückgekehrt. Nach Berlin-Mitte, Unter den Linden 74, im Parterre bewundern Touristen bei „Madame Tussauds“ die Wachskopien mehr oder weniger verblichener Legenden wie Albert Einstein, John F. Kennedy und Oliver Kahn.

Oben arbeitet Hemjö Klein am Comeback der Legende Telefunken. Klein war einst Vorstand bei der Lufthansa und der Deutschen Bahn, und er hatte einige gute Ideen in jener Zeit wie die Bahn-Card oder das elektronische Flugticket. 67 Jahre ist er alt, doch statt den Ruhestand zu genießen, werkelt er an seiner neuesten Vision, vielleicht der ultimativen Herausforderung für einen Marketingexperten: die alte Marke Telefunken wieder groß zu machen.

Einst war das Unternehmen eine Ikone der deutschen Industrie: 20 000 Patente, darunter die PAL-Farbfernsehtechnik, hatten den Konzern zu einem der Pioniere in der Kommunikationstechnik und Elektronik gemacht, zu einem Motor des Wirtschaftswunders. So wie die deutschen Konkurrenten Saba, Grundig und Nordmende.

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