Deutsche Gaskonzerne
Leere Gasspeicher bringen Gewinn

Der Streit zwischen Russland und der Ukraine hat den deutschen Gaskonzernen nach Informationen des Handelsblatts ein lukratives Zusatzgeschäft beschert. Um die ausbleibenden Lieferungen aus Russland zu kompensieren, haben die Unternehmen Gas aus ihren Speichern zu vergleichsweise hohen Preisen eingesetzt.

DÜSSELDORF. Im Frühjahr werden sie die Speicher aber zu deutlich niedrigeren Kosten wieder auffüllen können. Dies wurde in Kreisen der führenden Großhändler Eon Ruhrgas, Wingas und RWE bestätigt. „Man darf es gar nicht laut sagen, aber so betrachtet, hätte der Streit durchaus noch länger gehen können“, sagte ein Manager.

Die deutschen Importeure setzten ihre umfangreichen Speicher ein, um Lieferengpässe in Deutschland, aber auch in Osteuropa zu verhindern. Der russische Gasproduzent Gazprom hatte Anfang Januar die Lieferungen durch die Ukraine komplett gestoppt, weil er sich mit dem wichtigen Transitland über nicht bezahlte Rechnungen, Preise und Transitgebühren stritt. Zwei Wochen lang kam über die Transitroute, über die normalerweise 80 Prozent des russischen Gases nach Westeuropa fließt, nichts an. Vor allem aber in Teilen Osteuropas drohte ein massiver Engpass. Die deutschen Importeure halfen mit ihren Reserven in der Slowakei, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Ungarn und Serbien aus, was sie sich allerdings auch vergüten ließen.

Die Unternehmen wollen sich zwar zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des zweiwöchigen Gasstreits noch nicht äußern. Auch machen sie keine Angaben über ihre Ein- und Verkaufspreise.

Dass der verstärkte Rückgriff auf die Gasspeicher lukrativ war, verdeutlicht aber ein Blick auf die Großhandelsdaten. In der Woche vom 8. bis 14. Januar, also in der ersten Woche nachdem die Pipelines durch die Ukraine geschlossen wurden, kletterte der Preis für eine Megawattstunde Erdgas nach Angaben des Fachmagazins „Energie Informationsdienst“ (EID) bis auf 31 Euro und kostete im Schnitt 27,14 Euro. Eine Megawattstunde zur Lieferung im zweiten Quartal kostete dagegen durchschnittlich nur 17,98 Euro. Inzwischen, nachdem der Streit beigelegt ist und das Gas wieder fließt, hat sich die Spanne auch schon wieder verringert. Es sei zwar unklar, zu welchen Konditionen die Unternehmen ihre Speicher letztlich befüllen könnten, sagte EID-Chefredakteur Rainer Wiek. Wegen der Bindung an den Ölpreis, der kräftig gesunken ist und an den der Gaspreis zeitlich verzögert gekoppelt ist, sei der Trend aber deutlich prognostizierbar: „Dass die Importeure im April ihr Gas billiger bekommen werden als jetzt, ist klar.“

Ein Ruhrgas-Sprecher hielt entgegen, dass das Unternehmen durch den Gasstreit auch Kosten gehabt habe. So habe man zusätzliche Mengen am Markt einkaufen und Gas verstärkt von Norddeutschland in den Süden transportieren müssen. Das Unternehmen will die wirtschaftlichen Auswirkungen erst noch ausführlich analysieren.

Unabhängig vom Ergebnis der Analysen dürften den Unternehmen auf jeden Fall Strafzahlungen von Gazprom zustehen, weil der Branchenriese seine Lieferverpflichtungen nicht eingehalten hat. Eon-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg hat jedenfalls bereits angekündigt, entsprechende Klauseln in den Verträgen geltend zu machen.

Aber selbst wenn die deutschen Gaskonzerne Strafzahlungen von Gazprom erhalten und zum Teil sogar wirtschaftlich vom Gasstreit profitieren konnten – den Imageschaden könne das nicht annähernd kompensieren, sagt ein Branchenvertreter. Wingas-Chef Rainer Seele hat bereits einen großen „Imageschaden für den Energieträger Erdgas“ eingeräumt.

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