Deutsche Hersteller können ihren technologischen Vorsprung gegenüber den neuen Konkurrenten noch halten
China holt bei Werkzeugmaschinen auf

Der Wirtschaftsboom in China hat das Land nicht nur zu einem der wichtigsten Märkte des Maschinenbaus werden lassen, chinesische Unternehmen sind auch bedeutende Anbieter geworden.

DÜSSELDORF. „China ist weltweit der viertgrößte Maschinenhersteller“, sagte der Präsident des Fachverbandes VDMA, Diether Klingelnberg, auf einer Veranstaltung des Verbandes zum Thema „China als Wettbewerber des deutschen Maschinenbaus“. Er sieht aber mittelfristig keine Gefahr für die deutsche Werkzeugmaschinen-Industrie, wenn sie weiter auf die eigene Innovationsfähigkeit vertraue.

Bisher versorgen die chinesischen Unternehmen angesichts der hohen Nachfrage vor allem den heimischen Markt. Doch Joachim Ihrcke, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Droege & Comp, der eine Studie zum Werkzeugmaschinenmarkt präsentierte, erwartet, dass bei einem Nachlassen des Wachstums der chinesischen Wirtschaft die Unternehmen den Export verstärken werden. Er sieht schon jetzt, dass viele privatisierte chinesische Hersteller angesichts der bestehenden Überkapazitäten den Export als Alternative zum Binnenmarkt suchen. Noch halten die deutschen Hersteller mit einem Anteil von 21 Prozent am Weltmarkt für Werkzeugmaschinen einen großen Vorsprung vor den Chinesen, die es bisher lediglich auf 8 Prozent bringen. Bisher bieten die Chinesen vor allem Kopien an und haben wenig eigene Entwicklungen vorzuweisen. „Wir haben in China bereits Wettbewerber, die als Nachbauten unsere Verpackungsmaschinen anbieten“, bestätigt Gunther Reinhardt, Vorstand Technik und Marketing beim Maschinenbauer IWKA. Dies wird in China offensichtlich nicht als Verstoß gesehen. „Die Leute haben ein anderes Wertesystem. Lernen durch Nachahmen gilt als positiv“, sagt Reinhardt. Klingelnberg sieht China deshalb als den kritischsten Markt für Produktpiraterie.

Unternehmensberater Ihrcke erwartet, dass sich die Chinesen auf das untere Segment des Werkzeugmaschinenmarktes konzentrieren werden. In zehn Jahren könnten sie rund ein Drittel dieses Segmentes des Weltmarktes bestreiten. Denn hier werde meist über den Preis verkauft, wo die Asiaten einen großen Vorteil haben. Im mittleren Segment erwartet er verstärkte Kooperationsbemühungen der Chinesen, um vom Transfer vom Know how der Deutschen zu profitieren.

Für den Markt der Bearbeitungszentren und Hochtechnologiemaschinen, die deutsche Hersteller vor allem anbieten, sieht Ihrcke aber in den nächsten fünf Jahren keine Gefahr. China fehle die Spitzentechnologie, die Managementerfahrung und auch die Erfahrung für den weltweiten Export. „Die Chinesen haben noch keine eigenen Entwicklungen. Das ist noch ihre Schwäche“, sagt Ekrem R. Sirman, Geschäftsführer der Werkzeugmaschinenfabrik Waldrich Coburg.

Doch das könnte sich ändern. Rund sieben Millionen Studenten studieren in 460 technischen Hochschulen Chinas Ingenieurwissenschaften, zahlreiche Studenten holen sich ihr Wissen auch im Ausland. Noch hat China nach Einschätzung von Eberhard Abele von der Technischen Universität Darmstadt einen Forschungsrückstand im Werkzeugmaschinenbau von fünf bis zehn Jahren. „Dieser wird sich in den nächsten Jahren aber deutlich verringern.“

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