Deutsche Industrie
Industrie behält die Schlüsselrolle

Seit den siebziger Jahren hat die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Industrie abgenommen. Trotzdem wird das produzierende Gewerbe auch in Deutschland weiter wachsen – aber zu langsam, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

DÜSSELDORF. Würden Sie Aktien kaufen von einem Unternehmen, das in den letzten Jahrzehnten fast die Hälfte seines Marktanteils verloren hat und Prognosen zufolge weiter Federn lassen wird? Würden Sie einen Job annehmen bei einer Firma, die massiv Personal abgebaut hat und den nächsten Jahren nochmals 20 bis 25 Prozent ihrer Arbeitsplatz streichen wird?

Wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten, dann sind Sie richtig in der deutschen Industrie. Seit den siebziger Jahren hat die gesamtwirtschaftliche Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs abgenommen – statt knapp 50 Prozent trägt das produzierende Gewerbe heute nur weniger als 30 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Noch verheerender ist die Arbeitsplatz-Bilanz: Gab die Industrie in Westdeutschland Anfang der siebziger Jahre noch 13 Millionen Menschen Lohn und Brot, sind es heute nur noch zehn Millionen. 2030 werden es nach der Prognose des Schweizer Forschungsinstituts Prognos nur noch 7,7 Millionen sein. Der Anteil an der Bruttowertschöpfung dürfte dann auf 20 Prozent gesunken sein.

Befindet sich also die deutsche Industrie in der Krise? Pessimisten wie der „Spiegel“-Journalist Gabor Steingart sprechen vom „verglühenden Kern“ der deutschen Wirtschaft. Und Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnt: „Die deutsche Wirtschaft ist durch die Industriearbeit stark geworden. An der Industrie hängt unser Wohlstand wie an keinem anderen Sektor.“

Andere sehen die Sache gelassener: „Der langfristige Bedeutungsverlust des produzierenden Gewerbes ist keinesfalls gleichzusetzen mit einer De-Industrialisierung“, meint Prognos-Experte Kai Gramke. Auch wenn der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung sinke – das Produktionsvolumen steige, absolut betrachtet, auch in den nächsten Jahrzehnten weiter.

Um 1,1 Prozent pro Jahr wird die Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe in den kommenden 25 Jahren laut Prognos real zulegen. Inflationsbereinigt dürfte das produzierende Gewerbe 2030 Waren im Wert von 761,8 Mrd. Euro herstellen – gegenüber dem Status Quo ein Plus von 33 Prozent.

„Deutschland ist ein Industriestandort und die Industrie bleibt die wesentliche Drehscheibe der Wirtschaft“, bekräftigt Michael Hüther, Präsident des arbeitgeberfinanzierten Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

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