Deutsche Interessenten in Russland
Russlands Strommarkt lockt

Mit seinen umfangreichen Privatisierungen in naher Zukunft lockt der russische Strommarkt ausländische Investoren – darunter auch deutsche Konzerne. Der Markt verspricht Wachstum, ist wegen des hohen Investitionsbedarfs jedoch nicht ganz ohne Risiko für die Investoren.

MOSKAU / DÜSSELDORF. Der Chef des russischen Elektrizitätskonzerns RAO Unified Energy Systems (UES), Anatolij Tschubais, will im kommenden Jahr die Kraftwerksgesellschaften des Monopolisten vollständig privatisieren: „Ich rechne damit, dass Ende 2007 20 Gesellschaften an der Börse sind“, sagte der UES-Chef gestern in Moskau. Tschubais erwartet, dass etliche internationale Investoren einsteigen – darunter auch den deutschen Eon-Konzern – und viele mehr als 51 Prozent an den Stromerzeugern übernehmen wollen.

„Das Interesse ist groß“, betont der UES-Chef. Der Konzern führe derzeit unter anderem Gespräche mit Eon. Nächste Woche will sich Tschubais mit Wulf Bernotat, dem Chef des größten deutschen Versorgers, treffen, um über Perspektiven bei der russischen Strommarktliberalisierung zu sprechen. Moskauer Industriekreisen zufolge interessiert sich Eon für eine Beteiligung an bis zu vier Kraftwerksgesellschaften. Die Chancen stünden gut, dass der Düsseldorfer Konzern bei mindestens einem Projekt Erfolg haben werde, heißt es.

Eon wollte dies gestern nicht kommentieren. Das grundsätzliche Interesse des deutschen Konzerns am russischen Strommarkt ist allerdings bekannt. Er hatte sich bereits um den Moskauer Versorger Mosenergo bemüht – allerdings erfolglos.

UES hofft, über die Privatisierung der Gesellschaften bis zu zehn Mrd. Dollar einzunehmen. Kürzlich hatte der Konzern den Petersburger Stromerzeuger OGK 5 an die Börse gebracht und dabei 495 Mill. Dollar eingenommen. Anfang Dezember will UES auf einer Sitzung des Aufsichtsrats den weiteren Fahrplan für die Börsengänge beschließen.

Der Stromgigant, an dem der russische Staat mit 52 Prozent beteiligt ist, braucht das Geld dringend: Nach der aktuellen Planung will UES bis 2010 rund 83 Mrd. Dollar in den Ausbau seiner Kapazitäten und den Neubau von Kraftwerken stecken. Insgesamt sollen in den kommenden fünf Jahren 23 Gigawatt ans Netz gehen – dies entspricht 23 Kernkraftwerken.

„Diese Pläne beruhen lediglich auf Annahmen“, sagt Christopher Weafer, Chefstratege bei der Alfa Bank. Wie viel Geld tatsächlich in den Stromsektor fließen müsse, sei derzeit noch nicht abzusehen. Für Investoren sei aber interessant, dass nun die Umrisse der Reform der Branche sichtbar würden. „Eine Reihe von Unternehmen ist bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um einfach nur dabei zu sein.“

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