Deutsche Investoren entdecken Indien
Die Alternative zu China

Nach einer massiven Investitionsoffensive in China nimmt die deutsche Wirtschaft jetzt Indien als nächstes Ziel ins Visier.

BERLIN/DELHI. „Das Land eignet sich nicht nur gut als Produktionsstätte, sondern entwickelt sich auch zu einem interessanten Absatzmarkt“, sagte Stephan Kinne von der Beratungsgesellschaft KPMG beim Auftakt der Indien-Konferenz, die das Handelsblatt erstmals organisiert. Fast täglich gehe ein deutsches Unternehmen nach Indien oder fasse dies zumindest ins Auge.

Tatsächlich sind die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Indien im vergangenen Jahr um ein Viertel auf fast 4,4 Mrd. Dollar gestiegen. Dieses Jahr erwartet die Regierung in Delhi mindestens fünf Mrd. Dollar. Damit steht Indien nach wie vor im Schatten von China, das allein im vergangenen Jahr 62 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen erhielt. Doch entwickelt sich Indien immer mehr zur Alternative.

Die deutschen Direktinvestitionen sind nach Angaben der Bundesbank mit kaum mehr als 100 Mill. Euro extrem gering und sogar rückläufig. Doch die Statistik hinkt weit hinter der Realität hinterher. Der schnell wachsende Binnenmarkt und die Standortvorteile für die Exportproduktion lockt auch Deutsche zunehmend nach Indien. „Seit einem Jahr steigt das Interesse stark an“, sagt Bernhard Steinrücke, Leiter der deutsch-indischen Handelskammer. „Nun kommen auch viele Mittelständler ins Land“. Zum Beispiel hat der Spezialmaschinenhersteller Gühring in Bangalore gerade eine neue Werkhalle zur Produktion von Bohrern eröffnet. Der Leuchtenhersteller Hueko baut dort ebenfalls eine Fabrik.

Schlagzeilen machen Großkonzerne wie die Deutsche Bank, die in Indien dieses Jahr mit dem Privatkundengeschäft starten will. BMW gab gerade die Errichtung eines Montagewerks für 18,5 Mill. Euro bekannt, auch VW plant eine Fabrik. Der Autozulieferer Bosch expandiert für 200 Mill. Euro: „Asien bringt uns das meiste Wachstum, Kundennähe ist daher ein Muss“, begründet das Länderchef Albert Hieronimus. Siemens erhöht sein Indien-Investment in den kommenden drei Jahren um 500 Mill. Dollar. Bosch und Siemens haben nicht nur den wachsenden Binnenmarkt im Visier: Sie stärken auch ihre Forschungs- und Entwicklungskapazitäten und planen höhere Exporte.

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