Deutsche Konzerne
Gefangen in Europa

Deutschlands Konzerne haben mit der Expansion nach Europa einst alles richtig gemacht. Doch jetzt wird die starke Präsenz in der wachstumsschwächsten Region der Welt zur Belastung.
  • 26

Die Börse feierte die glänzenden Quartalszahlen von Volkswagen am Donnerstag mit einem Kursgewinn von acht Prozent, der Wert von VW wuchs mit einem Schlag um 4,5 Milliarden Euro. Die Wolfsburger selbst allerdings stimmten nicht in die Euphorie ein. Im Gegenteil: Der VW-Vorstand betont in seinem Geschäftsbericht, dass die Zeit der Rekordgewinne erst einmal vorbei sei. Die Gründe: die konjunkturelle Schwäche in Westeuropa und die sich verstärkenden Rezessionstendenzen in Südeuropa. Das Jahr 2012 werde VW noch „viel abverlangen“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn.

Winterkorns Vorsicht ist nur allzu begründet. VW erzielt in Europa – ohne den Heimatmarkt Deutschland – 43,5 Prozent des Gesamtumsatzes von 159 Milliarden Euro. Damit ist das rezessionsgeplagte europäische Ausland für die Wolfsburger die weltweit wichtigste Region. In den ersten drei Monaten 2012 aber sank etwa in Frankreich die Pkw-Nachfrage um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Italien betrug der Rückgang 17,3 Prozent.

Und was für VW gilt, gilt für die meisten anderen im Deutschen Aktienindex notierten Konzerne. Nach Berechnungen des Handelsblatts erwirtschaften sie im Schnitt jeden dritten Euro im europäischen Ausland. Spitzenreiter sind die Versorger Eon und der Handelskonzern Metro mit jeweils 57 Prozent. Beim Technologiekonzern Siemens sind es 38 Prozent – vor zwei Tagen mussten die Münchener die Gewinnprognose um bis zu 800 Millionen Euro senken, auch wegen der Konjunkturschwäche.

Europa ist derzeit die wachstumsschwächste Region der Welt. Nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds werden 2012 acht von 17 Euro-Ländern von einer Rezession geplagt, darunter die Schwergewichte Italien, Spanien und die Niederlande. Das gestern von der Brüsseler Kommission veröffentlichte Wirtschaftsklima für die Euro-Zone trübte sich unerwartet stark um 1,7 auf 92,8 Punkte ein.

Kommentare zu " Deutsche Konzerne: Gefangen in Europa"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was machen diese gierigen Konzerne, wenn sie ein Mal rund um die Welt herum nur verbrannte Erde hinterlassen haben?
    Glauben die wirklich, dass wenn sie mit Hilfe der verblödeten und ignoranten Regierungen und schier unersättlichen und rücksichtslosen Gier der Unternehmer nach weltweit immer höheren Gewinnen, ohne die Arbeitnehmer daran teilhaben zu lassen, sondern sie stattdessen ausschließlich auszubeuten, zu verarmen und zu entrechten, rund um die Erde alles Soziale zerstört haben, sie so weitermachen und einfach eine zweite und dritte Runde der Ausbeutung der Arbeitnehmerschaft weltweit starten können?
    Wer soll die Güter noch kaufen, wenn die Menschen, die für diese Abzocker zu größtenteils sittenwidrigen Bedingungen zuvor bis zu ihrer eigenen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Zerrüttung geschuftet hatten, weder das Geld noch dadurch bedingt Bedarf haben?
    Wo ist denn die angeblich so zoziale Marktwirtschaft?

  • @Rainer

    Falsch! Italien war auch schon vor der Euroeinführung stark verschuldet. Spanien war vor dem Platzen der Immobilienblase nur zu etwa 60% des BIP verschuldet (also in etwa wie Deutschland vor der Bankenrettung), Irland hatte vor dem Platzen der dortigen Immobilienblase kaum Schulden. Auf Griechenland und Portugal trifft ihre These wohl zu.

    Wozu genau gibt es eigentlich ihrer Meinung nach den ESM? Zur Rettung von den armen Griechen? Quatsch! Das Geld fließt auf direktem Wege zurück zu französischen und deutschen Banken. Das ist die eigentliche Motivation für die Rettungsschirme.

    Offtopic:
    Woher wissen sie eigentlich, dass ich weiblich bin? Trifft nicht zu.
    Und noch was: Nur weil ich nicht ihrer Meinung bin, sollten sie mich nicht gleich als dummen EUdSSR-Gläubigen beleidigen, aber wenn einem sonst nicht mehr einfällt..

  • Erst NACH der Euroeinführung gab es diese massive Verschuldung der PIGS.

    Zitat:"weil ich zur Euroeinführung erst 6 war"

    Dann holen sie erstmal beim Thema Fachwissen auf, bevor sie sich völlig dumm äußern. Wer braucht die Kommentare einer gehirngewaschenen EUdSSR-Gläubigen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%